Blockbuster kündigen sich wahrlich anders an: Das paneuropäische Pensionsprodukt (Pepp), mit dem die EU-Kommission eine einfache, transparente, sichere und über Grenzen portable private Zukunftsvorsorge etablieren will, startet kommenden Dienstag (22. März). Doch Industrie und Vertrieb sind angesichts der eng kalkulierten Kostenstruktur wenig begeistert. Wenn die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa kommende Woche ihr Register live schaltet, dürfte europaweit kein einziges Pepp auf dem Markt sein, wie die Redaktion von einer mit der Sache vertrauten Person erfuhr.

In Deutschland ist die Situation ähnlich: Nach Kenntnis des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft werden seitens deutscher Lebensversicherer zum Start keine Versicherungs-Pepps angeboten, wie ein Sprecher auf Anfrage der Redaktion mitteilte. Auch die deutschen Fondsgesellschaften haben dem Vernehmen nach bislang keine Produkte geplant. 

Europäische Gesellschaften bereiten sich vor
Allerdings sollen einige europäische Versicherer zumindest darüber nachdenken. Rund 15 Anbieter stehen in den Startlöchern und 18 weitere können sich eine Produktentwicklung vorstellen. Das berichtet der österreichische Fachverband der Versicherungsmakler unter Hinweis auf Angaben von Eiopa-Direktor Fausto Parente.

Von den europäischen Regulatoren wird das Produkt als Gamechanger in der privaten Altersvorsorge ("dritten Säule") gesehen. Die Eiopa wünscht sich, dass jedes große Versicherungsunternehmen in den kommenden drei Jahren ein solches anbietet. Doch Versicherer, Vermögensverwalter und deren Vertrieb haben das Produkt intern bereits als unrentabel gebrandmarkt. Grund: In der Standard-Variante ("Basis-Pepp") gibt es einen Kostendeckel von einem Prozent des pro Jahr angesparten Kapitals, mit dem zugleich Verwaltung, Anlagekosten und Vertrieb abgedeckt werden müssen (FONDS professionell ONLINE berichtete ausführlich über die Details).

Erfolg vertagt?
Der klassische Maklervertrieb dürfte das Produkt daher momentan kaum ins Herz schließen, genauso wenig wie der Bankvertrieb. Pepps können theoretisch zwar auch von den Anbietern selbst sowie von Banken und freien Vermittlern vertrieben werden, und auch der Online-Vertrieb ist explizit erlaubt.  Möglicherweise dauert es einfach eine Zeit, bis die Industrie die Chancen final durchgerechnet hat. Denn trotz aller Kritik wird von anderen oft das Argument vorgebracht, dass sich den Versicherungsunternehmen ein Milliardenmarkt eröffnet. Laut EU-Kommission haben derzeit nur 27 Prozent der EU-Bürger zwischen 25 und 59 Jahren eine private Pensionsvorsorge. Anbieter könnten mit Pepp-Produkten, die jedem zustehen, bei Zielgruppen andocken, die erst am Beginn ihrer finanziellen Möglichkeiten stehen – etwa bei Studenten. (eml/jb)