Kürzlich ermittelte die Maklergenossenschaft Vema die von Partnermaklern meistempfohlenen Anbieter bei Fondspolicen mit und ohne Garantien. Am besten schnitten dabei Alte Leipziger, Allianz und LV 1871 ab. Die Top Drei führen jedoch nicht beim reinen Blick auf die Qualität der Bedingungswerke (Produktqualität). Da sind Continentale, Volkswohl Bund und Swiss Life teilweise besser.

Doch wie misst man eigentlich die Produktqualität bei Fondspolicen? "Wir messen ausschließlich die Investmentqualität der in Fondspolicen gebotenen Fondspalette", sagt Thorsten Dorn. "Unsere Plattform 'Performance-Factory' untersucht, ob und inwieweit innerhalb der einzelnen Tarife strategisch ausgerichtete Portfolios je Kundenprofil erstellt und eine strategische Asset-Allokation (SAA) angewendet werden können", so der SAM-Geschäftsführer weiter.

Basis für die Erstellung der Portfoliovorschläge sind unter anderem ein auf dem Risikomaß Maximum Drawdown (MDD) basierendes Risikobudget, die durchschnittlich erwartbaren Renditen, Gebühren und auf Fonds gewährte Überschüsse (Retrozessionen). Die Methodik (Details siehe unten) wird vorwiegend im institutionellen Bereich zur Portfoliooptimierung angewendet.

Plausibilität bei Bestands-Fondspolicen prüfen
Damit finde erstmals ein Plausibilitätscheck statt, ob das individuelle Investment der Kunden deren Erwartungen erfüllt und das individuelle Risikobudget einhält. Nach zwölf Monaten würden gespeicherte Portfolios automatisch überprüft, alle Kennzahlen aktualisiert und gegebenenfalls Reallokationsvorschläge erstellt – Voraussetzung für eine laufende, evidenzbasierte Bestandsbetreuung durch Makler in der Fondspolicen-Beratung. "Dies nutzen schon über 3.000 Vermittler", berichtet Dorn.

Das Ergebnis wird von SAM in jährlichen Studien namens "Fondspolicenreport" publiziert, zuletzt 2025 zu "ETF/Passiv", "Nachhaltigkeit" und "Investment classic". Die 2026er-Ergebnisse sollen in Kürze veröffentlicht werden, hieß es am Mittwoch (20.5.) auf der Fachkonferenz "Fondspolicen Summit 2026" im Berliner Westend. Dort wurden vorab die besten Fondspolicen-Tarife in den genannten drei Kategorien gekürt. Für ein Top-Rating sind mindestens 80 Prozent Erfüllung aller 150 möglichen Punkte nötig.

Fondspolicen mit der besten Investmentqualität

> ETF/Passiv (maximal 250 Punkte möglich)

  1. Liechtenstein Life (Tarif Invest): 90 Prozent
  2. Alte Leipziger (Tarif FR 10): 87 Prozent
  3. Vienna Life (Tarif Fondspolice): 85 Prozent

> Nachhaltigkeit

  1. Alte Leipziger (Tarif FR 10): 91 Prozent
  2. Helvetia (Tarif Clevesto Select): 88 Prozent
  3. Stuttgarter (Tarif Flexrente Alpha+): 87 Prozent

> Classic

  1. Alte Leipziger (Tarif FR 10): 92 Prozent
  2. Helvetia (Tarif Clevesto Select): 88 Prozent
  3. Liechtenstein Life (Tarif Invest): 86 Prozent

Zugleich wurde erstmals der Titel Asset Manager des Jahres für den Bereich Altersvorsorge vergeben – an Franklin Templeton. Kriterien: Häufigkeit und Volumen der Fondsgesellschaft in bestehenden Verträgen, Abdeckung und Angebot von Assetklassen im Aktiv- und Passivbereich von Fondspolicen, Angebot an Tranchen sowie Aktivitäten für den unabhängigen Vermittlermarkt.

Was gute Altersvorsorgeprodukte bieten müssen
Die Investmentqualität werde häufig unterschätzt, so Norman Wirth, geschäftsführender Vorstand des AfW Bundesverband Finanzdienstleistung, in seiner Keynote. Nach dem Abschluss einer Fondspolice würden Berater später nur selten den Inhalt auf Passfähigkeit prüfen – dafür fehle es an Wissen und an Zeit und damit in Zusammenhang an fehlender Zusatzvergütung.

Gute Altersvorsorgeprodukte zeichnen sich neben sinnvoller Asset-Allokation, breiter Assetklassen-Abdeckung, Risikosteuerung und Re-Balancing auch dadurch aus, dass sie kompatibel in jeder Lebensphase sind und regelmäßig überprüft werden können. "Portfoliowerkzeuge sind dazu unerlässlich", betont Wirth. Mit solchen Tools wie von SAM könne der Produktgeber Maklern und deren Kunden Mehrwert bieten.

SAA statt Jagd nach Vergangenheitsperformance
Alle SAM-Portfolios seien im letzten Jahr besser gelaufen als die jeweiligen Indizes, berichtet Dirk Rathjen, Leiter Quantitative Modelle bei SAM. "Top-Renditekiller sind weder Steuern noch Kosten, sondern der Hang, Vergangenheitsperformance hinterherzujagen“, so Rathjen auf der Konferenz. Da Intuition, Vergangenheitsrendite sei ein gutes Fondsauswahlkriterium, nicht funktioniere, helfe dem Makler in der Fondspolicen-Beratung nur ein wissenschaftlich fundierter Ansatz, den er mit einem intelligenten Tool nutzen kann. "Diese Herangehensweise wird chronisch vernachlässigt, dabei macht die SAA 80 bis 90 Prozent von Rendite und Risiko aus", meint Rathjen.

"Wenn der Kunde ein individuelles Portfolio in seiner Fondspolice kauft, erübrigt sich die wenig zielführende Diskussion zu den aktuell besten Einzelfonds und deren Vergangenheitsperformance", ergänzt Dorn. In der Datenbank von SAM seien schon über 3.000 Fonds enthalten und für die SAA bewertet. "Nur ein Drittel der Kunden ist bislang aber im richtigen Risikoprofil", merkt Dorn an. Werde dies korrigiert, seien bis zu 2,0 Prozentpunkte Outperformance mit derselben Fondspolice möglich.

Demografie und KI
"Ein Problem ist jedoch, dass viele Fondspolicen allein zu Ende laufen müssen, da der Vermittler mittendrin in Rente geht", so Martin Stenger in seiner Rede mit Blick auf die Demografie der Beraterszene. "Neue Angebote müssten auch 40 Jahre halten und immer wieder vom Berater auf den Prüfstand kommen", sagt der DACH-Vertriebschef von Franklin Templeton. Damit steht – obwohl nicht ausgesprochen – KI als Beratungswerkzeug der Zukunft im Raum. (dpo)


Zur Methodik:

SAM hat zum Vergleichszweck 20 Fondspolicen ausgewählt und diese anhand von nunmehr vier Kundenprofilen untersucht. Das Profil "Defensiv" beschreibt einen Kunden, der eine Risikoneigung von circa zwölf Prozent hat – wobei SAM Risiko nicht als Volatilität definiert, sondern als maximalen Verlust, den ein Kunde bereit ist, einzugehen (Maximum Drawdown, MDD). Der "ausgewogene" Kunde hat eine Risikoneigung von rund 17 Prozent. Kunden des Profils "Wachstum" sind bereit, einen zwischenzeitlichen Verlust von bis zu 22 Prozent hinzunehmen. Der Musterkunde des Profils "maximale Rendite" ist bereit, 30 Prozent Verlust hinzunehmen.

Basis der Analyse ist eine Auswahl der individuellen Einzelfonds für die Test-Policen auf Grundlage der jeweils aktuellen Fondsuniversen der Versicherer, die dann nach den Regeln und Methoden der strategischen Asset-Allokation (SAA) zusammengesetzt wurden. Bei der SAA geht es darum, das Investmentportfolio aus sogenannten Core- und Satelliten-Bausteinen so zu optimieren, dass die Renditeerwartung erfüllt und gleichzeitig das Risiko des jeweiligen Kundenprofils minimiert wird.

In die Note für die Tarife (Höchstpunktzahl 150) fließen dann die erwarteten Ergebnisse der optimierten Portfolios, das Risiko basierend auf dem MDD und die RDR ein, die für Rendite-Drawdown-Ratio steht, den Quotienten von Rendite und maximalem Drawdown. Je höher die Zahl, desto besser. Weitere Komponenten der Note sind Tarifmerkmale wie die Zahl der Einzelfonds im Vertrag oder kostenlose Fondswechsel.