Nachhaltigkeit ist für Fondsgesellschaften bereits seit einigen Jahren ein Thema und entwickelt sich immer mehr zum ganz großen Trend. Nun erkennen auch die Anbieter von fondsgebundenen Versicherungen zunehmend die Zeichen der Zeit. Nicht nur, weil Vermittler für ihre Kunden immer häufiger ESG-Fonds für Policen nachfragen, erweitert ein Versicherer nach dem anderen seine Produktpalette um nachhaltig anlegende Portfolios. Voraussichtlich ab dem vierten Quartal 2021 wird die Versicherungsvertriebsrichtlinie IDD ebenso wie Mifid II vorschreiben, dass Vermittler ihrer Klientel explizit die Frage stellen müssen, ob sie in nachhaltige Produkte anlegen möchten. Bis dahin sollten Versicherer also möglichst ESG-Fonds im Angebot haben. 

Da das Thema für die Versicherungsbranche somit wichtiger wird, wollte FONDS professionell in Erfahrung bringen, wie die Fondspolicenanbieter hier aufgestellt sind. Daher hat die Redaktion im Sommer 2020 zum ersten Mal rund 70 Versicherer gebeten, einen Fragebogen rund um das Thema ESG auszufüllen. 26 Anbieter haben bis zum Redaktionsschluss eine Rückmeldung gegeben. Sechs Unternehmen teilten mit, dass sie in Sachen ESG-Fonds für Policen erst am Anfang stünden und noch keine Angaben machen könnten. 20 Versicherer haben jedoch Auskunft gegeben. 

2,3 Milliarden Euro
Insgesamt belief sich das Volumen, das 13 der 20 Versicherer für ihre Policen in nachhaltigen Fonds angelegt haben, zum Stichtag 31. Juli 2020 auf 2,3 Milliarden Euro. Sieben Unternehmen machten keine Angaben, meist mit der Begründung, dass sie ihr Fondsuniversum erst im vergangenen oder im laufenden Jahr um nachhaltige Produkte erweitert hatten. Am meisten Geld steckt beim Branchenriesen Allianz in nachhaltigen Fonds. Eine exakte Summe nannte der Konzern zwar nicht, in naher Zukunft werde aber eine Milliarde Euro angestrebt. An zweiter Stelle kommt die Zurich, bei der Policenkunden rund 785 Millionen Euro in nachhaltigen Fonds angelegt haben, gefolgt vom Volkswohlbund, der Helvetia und der Versicherung Die Bayerische.

Volkswohlbund und Helvetia sind auch unter den Top Five der Versicherer mit dem größten Angebot an aktiv gemanagten ESG-Fonds vertreten. Zwischen 26 Produkten können Inhaber von Fondspolicen beim Volkswohlbund wählen, das bedeutet Platz zwei in dieser Liste. Die Helvetia belegt den dritten Rang mit nur zwei ESG-Fonds weniger im Angebot. An der Spitze der Versicherer mit den meisten nachhaltigen Fonds für Policen steht allerdings My Life: 45 nachhaltige Sondervermögen hat der Versicherer aus Göttingen im Programm.

Noch einmal an der Spitze
Passive Nachhaltigkeitsfonds lassen sich bislang deutlich seltener für Versicherungen wählen. Mit zehn solcher Indexfonds (ETFs) ist auch hier My Life führend. Nur zwei Fonds weniger haben – gleichauf – die Alte Leipziger und der Volkswohlbund in ihrem Sortiment. Auf Platz drei folgen die Ergo und die Stuttgarter mit sechs ESG-ETFs.

Auch gemanagte nachhaltige Strategien und entsprechende Fondsvermögensverwaltungen lassen sich in jüngster Zeit bei Versicherern finden. In unserer Umfrage gaben immerhin sieben Unternehmen an, dass ihre Kunden neben Einzelfonds auch ESG-Strategien und -Vermögensverwaltungen auswählen können. Der jüngste Anbieter im Bunde ist die Ergo Leben. Erst Mitte September 2020 hat der Versicherer die erste nachhaltige Fondsvermögensverwaltung für seine Policen Ergo Rente Chance und Ergo Rente Chance Select eingeführt. (am)


Den vollständigen Artikel darüber, wie die Anbieter von Fondspolicen beim Thema ESG bereits aufgestellt sind, was in Planung ist und wie sie Vermittler beim Vertrieb nachhaltiger fondsgebundener Versicherungen unterstützen, finden Sie in der aktuellen Ausgabe 3/2020 von FONDS professionell, die Ende September erschienen ist, ab Seite 262. Angemeldete Nutzer können den Beitrag auch hier im E-Magazin lesen.