Kundenakquise, erste Beratungsgespräche und möglichst gleich ein paar Abschlüsse unter Dach und Fach bringen: Frischgebackene Versicherungsvermittler haben alle Hände voll zu tun. Doch im Alltagstrubel sollten sie die 15 Stunden Weiterbildung nicht vergessen, die sie bis zum Jahresende absolviert haben müssen. 

Versicherungsvermittler und -berater mit Erlaubnis nach Paragraf 34d Gewerbeordnung (GewO) müssen regelmäßig die Schulbank drücken. Ein Soll von jährlich 15 Stunden Weiterbildung schreibt ihnen die EU-Versicherungsvertriebsrichtlinie IDD vor. Da die gesetzlichen Bestimmungen in der beruflichen Praxis bei Versicherungsprofis zuweilen Stirnrunzeln hervorrufen, haben die Finanzaufsicht Bafin und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) Ende Oktober 2020 in einem gemeinsamen Papier Erläuterungen zu vielen Fragen vorgelegt. Doch auch hier sind einige Punkte präzisierungsbedürftig.

Das komplette Pensum?
So mag sich so mancher Vermittler fragen, ob er für 2020 denn die 15 Stunden Weiterbildung komplett erfüllen muss, auch wenn er etwa erst im Oktober in den Beruf gestartet ist. Antwort: Ja, das ist der Fall. "Auch wer am 1. Dezember eines Jahres seine Tätigkeit aufnimmt, muss bis Silvester das volle Programm nachweisen", erklärt Weiterbildungsbildungsexperte Reinhardt Lüger vom Beratungsunternehmen 3L-Consult. Vermittler, die 2020 ihre Sachkundeprüfung abgelegt haben, sollten zudem daran denken, dass die Ausbildungszeit als Weiterbildung zählt, die Prüfung selbst jedoch nicht.

Ob neu im Beruf oder schon erfahren, eine weiterer Punkt wird zum Jahresende für alle Vermittler und Berater virulent:  Die Zeit für Prüfungen, die den Abschluss einer Weiterbildungsmaßnahme bilden, werden zum 15-Stunden-Pensum hinzugerechnet. Das gilt aber nur, wenn die Tests im selben Kalenderjahr absolviert werden wie die Schulungen. 

Da fehlt dann was
"Wenn ein Vermittler im Dezember eines Jahres etwa an einem Seminar teilnimmt, die Prüfung aber erst im darauffolgenden Januar stattfindet, wird die Prüfungszeit für das alte Jahr nicht angerechnet", sagt Lüger. Und dann fehlen dem Versicherungsprofi vielleicht ein oder zwei Stunden auf der Schulbank. (am)


Einen ausführlichen Bericht mit Erläuterungen zum Fragen- und Antwortenkatalog, den Bafin und DIHK zu den Weiterbildungspflichten für Versicherungsprofis vorgelegt haben, finden Sie in der Heftausgabe 4/2020 von FONDS professionell, die Ende November erscheint.