Die Finanzaufsicht Bafin hat ihren Plan nicht aufgegeben, die Provisionen bei Lebensversicherungen zu begrenzen. Politisch scheiterte ein Provisionsdeckel Anfang 2021 an unterschiedlichen Auffassungen innerhalb der damals regierenden Großen Koalition aus SPD und Unionsparteien. Lediglich ein Deckel bei Restschuldversicherungen kam zustande. Die Aufsicht hatte aber immer klar gemacht, dass sie notfalls selbst tätig wird – und genau das hat sie im Laufe dieses Jahres nun vor. Die Bundesanstalt werde einen "Provisionsrichtwert" entwickeln, kündigte der für die Versicherungsaufsicht zuständige Exekutivdirektor Frank Grund auf der Jahrespressekonferenz der Bafin an.

Der Anlass für diesen Schritt: Die Kosten von Lebensversicherungen, insbesondere von Fondspolicen, sind der Behörde ein Dorn im Auge. Die Aufsicht hatte im März eine Untersuchung veröffentlicht, in der sie das schlechte Preis-Leistungsverhältnis vieler Produkte kritisiert. Die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa kam in einer eigenen Studie zu ähnlichen Ergebnissen: Die Renditen vieler fondsgebundener Versicherungen seien hoch, ebenso aber auch die Kosten. 

"Atmender Deckel"
Wann genau der "Provisionsdeckel 2.0" kommen wird, ist offen. "Die Bafin wird bis Ende des Jahres ihre Überlegungen für einen Provisionsrichtwert in Form einer aufsichtlichen Mitteilung konkretisieren", teilte ein Sprecher auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE mit.

Schon 2017 hatte die Aufsicht einen "atmenden Deckel" vorgeschlagen: Demnach sieht die Bafin Provisionen bis 2,5 Prozent als unproblematisch an. Eine Vergütung bis zu 4,0 Prozent würde sie akzeptieren, wenn die Vermittler bestimmte Qualitätskriterien erfüllen. Provisionen von mehr als vier Prozent seien aber nicht möglich. Als rechtliche Grundlage dient der Behörde Paragraf 48a des Versicherungsaufsichtsgesetzes. (jb)