Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) empfiehlt, den Höchstrechnungszins in der Lebensversicherung zum 1. Januar 2021 auf 0,5 Prozent zu senken. Seit 2017 liegt der Wert bei 0,9 Prozent. "Derzeit gibt es keine Anzeichen dafür, dass sich das zum Teil negative Zinsniveau der vergangenen Monate in näherer Zukunft spürbar verbessern wird. Daher ist eine Absenkung des Höchstrechnungszinses für Neuverträge ab 2021 geboten", begründet DAV-Vorstandschef Guido Bader die Empfehlung. Wichtig: Bestehende Verträge sind davon nicht betroffen!

Der Höchstsrechnungs- oder auch Mindestzins, mit dem Kunden nach Abzug der Abschluss- und Verwaltungskosten sicher rechnen können, wird letztlich vom Bundesfinanzministerium festgesetzt. Das Haus von Olaf Scholz (SPD) stützt sich dabei aber auf die Empfehlungen der Finanzaufsicht Bafin und die der Aktuare.

Negative Renditen
Die Versicherungsmathematiker basieren ihre Berechnungen in erster Linie auf den Renditen von erstklassig bewerten Anleihen staatlicher Schuldner. Das Dilemma: Diese sind wegen der ultralockeren Geldpolitik und den daraus resultierenden Minizinsen der Europäischen Zentralbank seit Monaten im Keller. Das zeige sich daran, dass sich im Laufe des Jahres 2019 der sogenannte "zehnjährigen Euro-Swap-Satz" erstmals im negativen Bereich bewegt habe. Vor zehn Jahren lag dieser Referenzsatz bei etwa 3,5 Prozent, aktuell ist er von seinen historischen Tiefstständen auf etwa 0,1 Prozent gestiegen.

Geänderte Berechnungsmethode
Um den geänderten Marktgegebenheiten Rechnung zu tragen, hat die DAV nach eigenen Angaben auch ihre Methodik angepasst. Anders als in der Vergangenheit orientiert sich die Zinsempfehlung nicht mehr primär an den historischen Renditen europäischer AAA-gerateter Staatsanleihen. Vielmehr berücksichtigt der neue Höchstrechnungszins die künftig realistisch am Kapitalmarkt erzielbaren Renditen der Lebensversicherungsunternehmen für neu abgeschlossene Verträge.

Um diese zu berechnen, wurde ein repräsentatives Neuanlageportfolio eines Lebensversicherers mit konservativer Kapitalanlagestrategie modelliert. Dieses besteht im Wesentlichen aus festverzinslichen Wertpapieren und einem geringen Anteil aus Substanzwerten wie Aktien und Immobilien. (jb)