Den Ausbruch der Covid-19-Pandemie Anfang vergangenen Jahres hatte keiner auf der Rechnung – eine Handvoll von Virologen vielleicht einmal ausgenommen. Auch die deutsche Versicherungswirtschaft wurde von Corona an einem Punkt getroffen, den sie vorher nicht auf dem Schirm hatte: Den Betriebsschließungsversicherungen (BSV). Hier gab es Streit, der der Branche harsche Kritik einbrachte: Zahlreiche Versicherer weigerten sich beharrlich, Vertragsnehmern Umsatzeinbußen aufgrund der Lockdowns zu ersetzen. Sie begründeten dies damit, dass der Sars-Cov-2-Erreger nicht explizit auf der Liste jener Viren stand, nach deren Ausbruch Versicherer zu Zahlungen verpflichtet sind.  

Jörg Asmussen, seit Oktober 2020 Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), betont in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) erneut, dass Pandemie-Risiken allein durch die Privatwirtschaft nicht versicherbar seien. Der Staat müsse sich ebenfalls beteiligen. Diesen Standpunkt der Versicherer hatte bereits GDV-Präsident Wolfgang Weiler mit Nachdruck vertreten. Zudem weist Asmussen darauf hin, dass das Corona-Virus in aller Regel eben nicht von den Versicherungsbedingungen gedeckt war: "Es gilt aber der Grundsatz, dass wir nur für das zahlen, was auch versichert ist", sagt er der Zeitung.

Bedingungen für Rechtsanwälte geschrieben
Für den Cheflobbyisten der deutschen Versicherer liegt das Grunddilemma bei den BSV darin, dass die Versicherungsbedingungen nicht für Kunden, sondern für Rechtsanwälte geschrieben seien. "Über den Graubereich entscheiden jetzt die Gerichte", so Asmussen, der weiter ausführt, dass man Konsequenzen ziehen müsse: "Es gibt jetzt neue unverbindliche Musterbedingungen für unsere Mitglieder, die klar regeln, was versichert ist und was nicht. Und es gibt einen Vorschlag, wie wir künftig Pandemien zusammen mit der öffentlichen Hand absichern können", zitiert ihn die SZ.

In dem Gespräch nennt Asmussen im Zusammenhang mit dem Streit um die BSV auch ein paar Zahlen: "Wir hatten insgesamt für Betriebsschließungsversicherungen Beiträge von 25 Millionen Euro, damit sind mögliche Schäden von 20 Milliarden Euro versichert. Der ganze Sektor hat bisher rund 900 Millionen Euro geleistet oder zurückgestellt. Da kommt eine sehr hohe Schadenquote heraus."

Kein Interesse an Bafin-Chefposten
Ferner verriet Asmussen, der im Laufe seiner Karriere Staatssekretär im Bundesfinanz- und Bundesarbeitsministerium sowie Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank war, dass er über einen Headhunter zum GDV kam – und dort auch bleiben möchte, selbst wenn man íhm den derzeit vakanten Posten des Bafin-Präsidenten anböte: "In meinem Alter macht man nur noch Sachen, die einem Spaß machen", so seine Antwort auf eine Frage der SZ-Redaktion. (jb)