Die Zinszusatzreserve (ZZR) für Lebensversicherungen wird im laufenden Jahr erstmals seit ihrer Einführung 2011 sinken. Betrug sie Ende 2021 rund 96 Milliarden Euro, so wird sie Ende 2022 aufgrund der Zinswende der Europäischen Zentralbank (EZB) nur noch rund 93 Milliarden Euro umfassen. Das meldet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Ob Versicherungskunden schon bald höhere Erträge für ihre klassischen Lebensversicherungen mit garantierten Zinserträgen bekommen, steht aber in den Sternen.

Der GDV führt zur Erklärung aus, dass der Gesetzgeber die ZZR 2011 vorschrieb, damit die Assekuranz angesichts der Niedrigzinsen einen Puffer für Verträge aufbaut, die in Zeiten höherer Zinsen abgeschlossen wurden. Die Grundlage für die ZZR ist ein Referenzzins der den Durchschnitt der Monatsendrenditen zehnjähriger europäischer Staatsanleihen höchster Bonität der vergangenen neun Jahre plus dem aktuellen, von der Bundesbank veröffentlichten Basiszins abbildet. Zur Berechnung der ZZR wird seit 2018 die "Korridormethode" genommen (FONDS professionell ONLINE berichtete ausführlich). 

Mehr Kapital 
Wichtig für das Verständnis der ZZR ist ferner, dass die Versicherer den Puffer nur für Verträge aufbauen müssen, deren Garantiezins höher als der Rechnungszins ist. Wenn dieser wegen der geänderten Geldpolitik der EZB wieder steigt oder zumindest stagniert, dann sinken automatisch die Zuführungen in die ZZR beziehungsweise die Versicherer können die ZZR allmählich abbauen. Hier spielen zwar verschiedene Faktoren eine Rolle, unterm Strich sollten die Versicherer aber mehr Kapital zur Verfügung haben.

Dem GDV zufolge werden die Versicherer nun das freiwerdende Kapital zunächst zur Finanzierung der Garantien nutzen. Steigen die Zinsen noch weiter, werden die Mittel aus der ZZR nicht mehr zur Finanzierung der Garantien benötigt und könnten für die Überschussbeteiligungen der Kunden genutzt werden. Allerdings könnten die Gesellschaften die verfügbaren Mittel aus der Reserve auch dazu verwenden, die künftigen Erträge zu stärken, indem sie etwa niedrigverzinste Anleihen gegen solche mit höheren Zinsen tauschen, sodass Kunden erst mittel- bis langfristig von den steigenden Zinsen profitieren werden. (jb)