Die deutschen Lebensversicherer und ihre Vermittler konnten im Februar aufatmen – wenigstens zunächst. Das Bundesfinanzministerium (BMF) legte den geplanten Provisionsdeckel bei Lebenspolicen auf Eis. Das war auch ganz im Sinne der Generali Versicherung. In einem Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) begründet Deutschlandchef Giovanni Liverani, warum er sich dennoch nicht als Sieger in der Auseinandersetzung um den Courtage-Cap sieht, was er über die Riester-Rente denkt und warum er die Strategien von Mitbewerbern nicht versteht.

"Es geht hier nicht um Sieger oder Verlierer. Die Politiker sollten Gesetze erlassen, die fair sind. Ein Provisionsdeckel richtet sich gegen den Wettbewerb, weil bestimmte Teile der Finanzbranche Einschränkungen erleiden müssten, andere nicht", sagt Liverani der SZ. Zugleich weist er die Vermutung von sich, dass seine Gesellschaft wegen der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) gegen den Deckel war, welche den Vertrieb von Generali-Policen verantwortet. "Wir haben mit Cosmos auch einen der größten Direktversicherer des Landes. Wir können beides. Es geht nicht so sehr um den Vertriebsweg. Wenn Kunden Beratung brauchen, die DVAG sehr gut und professionell liefert, und dafür zahlen, ist das für viele Kunden völlig okay", so der Manager.

"Riester-Rente ist definitiv besser als ihr Ruf"
Die viel gescholtene Riester-Rente lobt Liverani dagegen: "Die Riester-Rente ist definitiv besser als ihr Ruf, und sie wurde millionenfach abgeschlossen. Die Bevölkerung sollte Walter Riester dankbar sein." Doch sei es an der Zeit, über etwas Neues nachzudenken, das besser zur Niedrigzins-Situation passt. Details zu einer einem solchen Produkt nennt der Deutschlandchef der Generali aber nicht. Nur so viel konnte ihm die SZ entlocken: "Das müsste in dieselbe Richtung gehen: Menschen, die für ihr Alter sparen wollen, werden unterstützt."

Klar ist, dass Liverani hierbei kein Produkt mit vollständiger Kapitalgarantie vorschwebt. Er kritisiert in dem Gespräch Mitbewerber, die weiterhin traditionelle Produkte anbieten. "Wer sich angesichts der heutigen Niedrigzinsen immer noch auf die traditionellen Lebensversicherungen mit Garantien konzentriert, baut einen toxischen Bestand mit hohen Risiken für das eigene Unternehmen auf", so der Versicherungschef. Die Generali hatte sich daher 2019 von ihren Klassik-Policen im Rahmen eines Run-off getrennt. (jb)