Die Zahl überraschte: Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft konnte für 2021 den Abschluss von 310.000 neuen Riester-Versicherungen vermelden. Dabei steht die staatlich geförderte private Altersvorsorge schon lange Jahre wegen hoher Kosten und mickriger Renditen in der Kritik. Riester-Gegner ficht die Entscheidung von rund 300.000 Bundesbürger, die sich offenbar trotz aller Mängelrügen für eine Riester-Rente entschieden hatten, aber nicht an. "Versicherungen werden verkauft – und nicht gekauft. Die Zahlen zeigen also vor allem die Vertriebskraft der Branche", kommentiert Gerhard Schick, Initiator der "Bürgerbewegung Finanzwende", die Zahlen in einem Interview mit dem "Manager-Magazin", an dem auch Axel Kleinlein, Vorstand des Bundes der Versicherten (BdV), teilnahm.

Die beiden Experten, die seit Jahren ihren Unmut über diese Vorsorgeprodukte äußern, bleiben bei ihrem Urteil: "Die Riester-Rente ist nicht reformierbar. Alle Versuche sind gescheitert, die vielfach hohen Kosten blieben", so Schick, der seine These der hohen Kosten auch mit Analysen untermauerte. Er fügt an: "Der Befund ist doch klar: Wir schlagen uns nun seit 20 Jahren mit der Riester-Rente rum. Das sind 20 Jahre mit vielen ineffizienten und teuren Produkten. In so einer Situation muss es politisch doch möglich sein, einen Schlussstrich zu ziehen."  

Schick: Wo waren die Versicherer 20 Jahre lang?
Beide Experten trommeln daher für ein kostengünstiges Standardprodukt in der privaten Altersvorsorge. Den Rahmen dafür solle der Staat bieten, managen müsse er es aber nicht: "Öffentlich organisiert heißt ja, dass jemand diese Vorsorge organisiert, der den Sparerinnen und Sparern gegenüber verantwortlich ist – und nicht gegenüber Aktionären", so Kleinlein. Mit anderen Worten: Auch Asset Manager oder Versicherer könnten das Management übernehmen. Die Assekuranz habe sogar selber angeboten, ein solches zu starten – was Schick im "Manager-Magazin" spitz kommentiert: "Wirklich überraschend ist doch, dass die Versicherer jetzt plötzlich Produkte anbieten wollen, die sie 20 Jahre lang nicht angeboten haben. Wo war denn das Know-how der Branche?"

Der ehemalige Grünen-Bundestagsabgeordnete plädiert dennoch dafür, dass Profis das Kapital verwalten sollten. Man könne ja eine Ausschreibung machen. Er verweist erneut auf das Vorbild Schweden, wo die Regierung so vorgeht. Er und Kleinlein sehen hier offenbar ihr Idealbild eines Vorsorgeproduktes verwirklicht: "Vorbildlich in Schweden sind die stärkere Ausrichtung auf Aktien und vor allem die geringen Kosten", so Schick in dem Interview. Nach einer typischen Musterrechnung stehe einem Schweden allein wegen der niedrigen Kosten im Alter ein fünfstelliger Betrag mehr zur Verfügung als einem durchschnittlichen Riester-Sparer in Deutschland. "Insofern ist Schweden sicher ein Modell für Deutschland", meint Schick. "Die Frage ist: Warum können wir bisher nicht, was die Schweden schaffen?" (jb)