Die Basler Versicherungen werten zum 1. Juli ihren Basistarif (Bronze) in der Grundfähigkeitsversicherung (GF) um zwei auf nun 18 Leistungsauslöser auf: Gezahlt wird ab sofort auch bei Verlust der Fähigkeit, einen Arm zu gebrauchen sowie nicht mehr Halten und Greifen zu können. "Dadurch ist dieser Tarif beispielsweise auch für Berufe im technischen Bereich, in der Industrie, im Restaurant, im Personentransport oder für Friseure sehr gut geeignet", heißt es bei der Basler.

"Wir freuen uns, mit diesen starken Erweiterungen unseren Bronze-Tarif nochmals aufwerten zu können und bereits in der preisgünstigsten Version einen sehr umfangreichen und leistungsstarken Schutz anbieten zu können", sagt Sascha Bassir, Vorstand des Basler Vertriebsservice. In den anderen Tarifen seien bis zu 28 Leistungsauslöser erfasst. Er verweist zudem darauf, dass in allen drei Tarifvarianten (Gold, Silber und Bronze) Mobilität immer versichert sei (ohne Zusatzbeitrag). Leistungsauslöser seien Verlust oder Nichterteilung eines Führerscheins für Pkw/Motorrad, Verlust der Fähigkeit des Fahrradfahrens oder Nutzung des ÖPNV.

Wie der GF-Markt tickt
Der deutsche Markt für Grundfähigkeitspolicen ist noch jung, boomt aber, weil die leistungsstärkeren BU-Policen für viele als riskant eingestufte Berufe zu teuer geworden sind. Im Vorjahr hatte das Analysehaus Franke & Bornberg (F&B) im GF-Rating einen kreativen Wildwuchs beobachtet. "Für die sachgerechte Bewertung von Grundfähigkeiten sind Mindeststandards unverzichtbar", weiß Christian Monke, Leiter Analyse bei F&B. Die gibt es aber noch gar nicht. Daher haben die Analysten ein eigenes Grundfähigkeitenraster entwickelt, mit 15 wesentlichen Grundfähigkeiten.

Im Rating 2021 hatten bei F&B gut 40 Prozent der klassischen GF-Tarife und rund 30 Prozent der GF-Plus-Tarife die Höchstnote bekommen. Die Plus-Varianten heben sich dadurch ab, dass Zusatzbausteine wie schwere oder psychische Krankheiten als Leistungsauslöser mitversichert sind.

Was das erste Rating 2022 sagt 
Das Analysehaus Morgen & Morgen (M&M) hat im April sein GF-Rating 2022 vorgelegt und dabei ebenfalls nur 15 Grundfähigkeiten als relevante Leistungsauslöser einbezogen. Da wurden gleich 92 der 112 untersuchten Tarife mit der Höchstnote bewertet. Andreas Ludwig, Bereichsleiter Analyse & Ratings, führt diese Häufung einerseits darauf zurück, dass sich die Zahl der angebotenen Tarife in den vergangenen beiden Jahren mehr als verdoppelt hat. Andererseits "ist ein sehr modulares Wachstum auf hohem Bedingungsniveau zu erkennen", so Ludwig.

Soll heißen: Die Tarife sind als Baukastensystem individuell zusammenstellbar. "Der Wettbewerb findet hauptsächlich in der zunehmenden Ausdifferenzierung der Leistungsauslöser statt, was langfristig zu einem höheren Preisniveau führen und die preisliche Attraktivität für körperlich tätige Berufe gefährden könnte", sieht Ludwig die Entwicklung kritisch.

Wie das Angebot der Basler sich da einordnet
Im M&M-Rating (externer Link), das permanent aktualisiert wird, schneidet der Bronze-Tarif der Basler in seinen vier Ausprägungen sehr gut ab (vier Sterne), die Gold- und Silbertarife in acht Ausprägungen hervorragend (fünf Sterne). So gesehen hat der Makler bei diesem Unternehmen eine gute Auswahlmöglichkeit, muss aber noch die konkreten Verhältnisse wie Beruf und Preis berücksichtigen und bei 84 anderen Fünf-Sterne-Tarifen in die tiefere Marktrecherche einsteigen.

Die Kritik an fehlenden Marktstandards teilt auch die Ratingagentur Assekurata: "Noch immer hat sich bei den Bedingungen kein Marktstandard etabliert, sodass der Leistungsumfang der Tarife auf den ersten Blick nur schwer vergleichbar ist." Bislang dienten die Definitionen in den AVB vornehmlich zur Diversifizierung der Produkte im Anbieterwettbewerb, ohne einen versicherungstechnischen Mehrwert zu stiften.

Marktstandards wichtiger als immer neue Tarifkombinationen
Dies hat offenbar auch das Institut für Finanz-Markt-Analyse (Infinma) dazu bewogen, seine neueste Analyse zu Marktstandards in der GF-Versicherung um ein halbes Jahr auf den Spätsommer zu verschieben, weil aktuell eine stark wachsende Anzahl von Anbietern, Produkten und Produktvarianten beobachtet wird.

Aktuell sind nur 43 Tarife von sieben GF-Versicherern mit einem Marktstandard-Zertifikat (externer Link) ausgestattet. Dabei wird kein Rating vergeben, sondern es werden einzig die Bedingungen nach 17 Kriterien untersucht. Infinma hat von der Basler je zwei Gold- und Silber-Tarife zertifiziert (Tarif-Stand: 04/21). Die einzelnen Bedingungswerke werden daran gemessen, was aktuell am Markt üblich ist (Stand: 03/21; externer Link).

Die Favoriten der Makler
Anfang März hatte die Versicherungsmakler Genossenschaft (Vema) das Votum ihrer Partnermakler offengelegt. Die meistgenutzten GF-Anbieter waren Canada Life, Allianz, Volkswohl Bund und Swiss Life. Die Basler rangiert auf Platz 8 in der Gunst der Vema-Makler. (dpo)


Eine ausführliche Analyse der Grundfähigkeitsversicherung finden Sie in FONDS professionell 2/2022 ab Seite 306. Angemeldete Nutzer finden den Artikel auch hier im E-Magazin.