Mit großer Mehrheit hat die Mitgliederversammlung der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) Guido Bader für die kommenden zwei Jahre an die Spitze der Institution gewählt. In dieser Position folgt er turnusgemäß auf Roland Weber, der dem Vorstand als "Past President" weiterhin angehören wird. Das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden hat mit Herbert Schneidemann der Chef des Ausbildungs- und Prüfungsausschusses übernommen.

Bader wechselte 2009 von der Gothaer Versicherung zur Stuttgarter Versicherungsgruppe und übernahm zunächst als Generalbevollmächtigter, kurz darauf als Vorstand, die Ressortverantwortung für die Bereiche Mathematik, Leben und Kundenservice. Seit 2019 verantwortet er darüber hinaus auch die Kapitalanlagen und Immobilienanlagen der Stuttgarter.

Notwendigkeit tiefgreifender Reformen im deutschen Altersvorsorgesystem
Angesichts der anhaltenden Tiefzinsphase und des demografischen Wandels unterstrich Bader in seinem DAV-Antrittsstatement die Notwendigkeit tiefgreifender Reformen im deutschen Altersvorsorgesystem, um dieses zukunftsfest zu machen. "Es ist Zeit für eine ehrliche, offene und ideologiefreie Debatte über die Zukunft des deutschen Rentensystems", so der neue DAV-Chef. Dabei müssten die bestehenden Mechanismen hinterfragt, die existierenden Versorgungsformen modernisiert und neue Wege für die Altersvorsorge eingeschlagen werden.

In diesem Zusammenhang rief Bader die Politik auf, im Interesse künftiger Generationen den Versicherungscharakter der gesetzlichen Rentenversicherung zu erhalten und mit einem Abbau der überbordenden, teuren Bürokratie sowie mit einfachen Strukturen und Prozessen die weitere Verbreitung der betrieblichen und privaten Altersvorsorge nachhaltig zu unterstützen.

"Robos" übernehmen aktuarielle Routinearbeiten
Weiter kündigte er an, dass die DAV ihre Aktivitäten im Bereich Data-Science und künstliche Intelligenz weiter ausbauen wird, um die mittlerweile gut 5.350 Mitglieder und die über 1.600 angehenden Aktuare bestmöglich auf die bevor­stehenden Veränderungen des Berufsbildes durch die Digitalisierung vorzubereiten. Nach Baders Überzeugung werden künftig vermehrt aktuarielle Routinearbeiten von Maschinen übernommen.

"Dadurch entstehen aber für die Aktuare Freiräume, um sich intensiv mit dem sachgerechten Einsatz der neuen Algorithmen sowie der Interpretation und Anwendung der Ergebnisse auseinanderzusetzen", skizzierte der DAV-Präses eine der zentralen neuen Aufgaben der Aktuare und ergänzte: "Damit übernehmen die Aktuare in der gerade erst beginnenden Big-Data-Ära mehr denn je die anspruchsvolle Rolle der Qualitätsmanager in den Versicherungen."

Der DAV-Vorstand wird komplettiert durch weitere hochrangige Vertreter des Berufsstands und der Wissenschaft. Dazu gehören:

  • Jürgen Bierbaum (Vorstandsmitglied Alte Leipziger Lebensversicherung)
  • Karl-Josef Bierth (Vorstandsmitglied Signal Iduna)
  • Nils Dennstedt (Partner Deloitte)
  • Detlef Frank (Vorstandsmitglied HUK24)
  • Rainer Fürhaupter (assoziierter Partner ROKOCO)
  • Maximilian Happacher (Vorstandsmitglied ERGO International)
  • Maria Heep-Altiner (TH Köln)
  • Richard Herrmann
  • Ralf Korn (TU Kaiserslautern)
  • Friedemann Lucius (Vorstandsvorsitzender Heubeck AG)
  • Aristid Neuburger (stellv. Vorstandsvorsitzender msg life)
  • Alf Neumann (Vorstandsmitglied Allianz Lebensversicherung)
  • Wilhelm Schneemeier (Mitglied des Aufsichtsrats Bayerische Beamten Versicherung)
  • Frank Schiller (Leiter Aktuariat, Pricing und Risk für die Leben- und Krankenrückversicherung Munich Re) (hh)