Die Corona-Pandemie hat Schluss gemacht mit den einstigen Hochgesängen auf die Präsenzkultur in deutschen Büros. Doch auch das Homeoffice als "neues Normal" hat einige Nebenwirkungen, wie die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) in einem Beitrag aufdröselt. Darin konsultiert wird Headhunterin Inken Peters, die zusammen mit Christoph Netta und Christoph Wagner eine Personalvermittlung mit Fokus auf die Versicherungswirtschaft betreibt. Die Headhunterin beobachtet, dass Manager daran scheitern, ihre Mitarbeiter daheim mit bloßen Detailanweisungen zu führen. "Die Hierarchien werden aufbrechen", glaubt ihr Kollege Netta.

Das spielt insbesondere Frauen im Top-Management in die Hände. "Viele weibliche Führungskräfte finden das Modell mit mehr Homeoffice sehr viel besser als das alte, weil sie so Familie und Arbeit leichter miteinander vereinbaren können", schildert Peters in dem SZ-Beitrag. Sie sei selbst erstaunt gewesen, wie schnell sie sich in der Pandemie an andere Formen des Arbeitens gewöhnt habe. "Ich war immer eine große Verfechterin des persönlichen Meetings, ich habe argumentiert, ich müsse alle live sehen, sonst fehlt mir was.“ Heute hat sie festgestellt: Ja, es fehlt tatsächlich etwas, aber dennoch funktioniert das hybride Arbeitsmodell überraschend gut. Alle hätten sich darauf eingestellt. "Ähnliche Erfahrungen haben die meisten Führungskräfte gemacht."

Die Zeit der starren Hierarchieebenen sei vorbei, heißt es. Die Versicherungsunternehmen gehen mit der veränderten Stimmung unterschiedlich um, manche versuchen, den bisherigen Kurs weiterzufahren, andere passen sich den neuen Anforderungen schneller an. "Dabei geht es nicht um große und kleine Gesellschaften", wird Netta zitiert. "Sie finden in beiden Gruppen beides, die Status-Quo-Bewahrer und die agilen Veränderer."

Mehr Diversität auf Vorstandsebene
Doch es geht bei dem aktuellen Wandel der Führungskultur nicht nur um die hierarchischen Modelle, sondern auch die Zusammensetzung der Vorstände selbst. Laut Headhunterin Peters muss sich die Führungskultur ändern, damit die neuen Ansprüche erfüllt werden. "Die Versicherer müssen intensiv und schnell über das Thema Diversität nachdenken, und dabei spielen weibliche Führungskräfte eine ganz große Rolle." (fp)