Deutsche Versicherer sind der europäischen Aufsichtsbehörde EIOPA zufolge europaweit am stärksten gegenüber illiquiden Unternehmensanleihen exponiert. Das geht aus einem der bislang detailliertesten Berichte zu Private-Credit-Investments der Branche hervor.

Mit rund 91,8 Milliarden Euro waren zum Jahresende mehr als 40 Prozent der Anleihebestände deutscher Versicherer in nicht gelisteten Papieren angelegt, erklärte EIOPA am Montag (15.12.) in Frankfurt.

EIOPA warnt vor Verlusten im Abschwung
Insgesamt hielten europäische Versicherer – ohne index- oder fondsgebundene Anlagen – rund 1,2 Billionen Euro an Unternehmensanleihen. Davon waren etwa 13 Prozent illiquide oder nicht gelistet. Versicherer könnten "erhebliche Verluste" erleiden, falls sie solche Vermögenswerte in einer Abschwungphase unter Buchwert verkaufen müssten, warnte EIOPA.

Belastungen aus der Immobilienkrise
Die hohe Exponierung ist bemerkenswert, da Deutschland bereits im globalen Gewerbeimmobilien-Einbruch der vergangenen zwei Jahre zu den Brennpunkten zählte – mit einem deutlichen Schwerpunkt auf Private Debt. Versicherer verbuchten dort Milliardenverluste nach dem Zusammenbruch mehrerer Bauträger, darunter René Benkos Signa-Konglomerat. Seither meldeten weitere Pensionsfonds zusätzliche Belastungen aus riskanten Engagements.

Private Debt erleichtert Finanzierung kleinerer Unternehmen
Illiquide oder nicht gelistete Anleihen – darunter auch ein Teil der von Signa begebenen Schuldtitel – ermöglichen es privat gehaltenen oder kleineren Unternehmen, Schulden aufzunehmen, ohne die üblichen Offenlegungspflichten oder die Marktprüfung öffentlicher Emissionen erfüllen zu müssen. Das stärker standardisierte Anleiheformat erleichtert zugleich institutionellen Investoren den Erwerb solcher Titel.

Starker Zuwachs bei Private Credit
Der EIOPA zufolge stiegen die Private-Credit-Bestände europäischer Versicherer zwischen Ende 2016 und Juni um fast 80 Prozent auf 594 Milliarden Euro und machen inzwischen 5,8 Prozent ihrer Gesamtaktiva aus. Betriebliche Pensionsfonds hielten zum Jahresende 2024 rund 128,4 Milliarden Euro an entsprechenden Anlagen, was 4,4 Prozent ihrer Gesamtaktiva entspricht. (mb/Bloomberg)