Die Versicherer in Deutschland hatten auch 2018 mit der kriminellen Energie von Mitarbeitern zu kämpfen. Allerdings ist die Anzahl der Personen, die sich etwas haben zuschulden kommen ließen, erneut rückläufig: 302 Angestellte wurden "ertappt", nach 329 im Jahr 2017 und 342 im Jahr 2016. Auch der Schaden, den die betrügersichen Lohnempfänger verursachten, fiel mit knapp 10,8 Millionen Euro geringer als die 13,7 Millionen Euro aus 2017 (FONDS professionell ONLINE berichtete). 

Den bei weitem größten Schaden haben diesmal einige wenige Innendienstmitarbeiter angerichtet. Das geht aus der aktuellen Bafin-Erstversicherungsstatistik hervor. Wie hoch die Dunkelziffer der unentdeckt gebliebenen Betrügereien ist (die laut Aufsichts-Jargon als "Unregelmäßigkeiten" bezeichnet werden und die nicht in der der Statistik enthalten sind), kann man wie jedes Jahr nur spekulieren. 

Vier Büromitarbeiter veruntreuen pro Kopf mehr als eine Million Euro
Die Bafin rechnet vor, dass 5,7 Millionen Euro an veruntreutem Geld wortwörtlich auf das Konto von Innendienstlern ging, also etwas mehr als die Hälfte des Gesamtschadens. Erstaunlich ist dies, da nur 16 Angestellte für diese Summe verantwortlich sind. Die Behörde hat ihre Auswertung aber noch verfeinert. In einer Analyse, in der ausschließlich Veruntreuungen ab einer Summe von 50.000 Euro geführt werden, kam heraus, dass vier Innendienstangestellte alleine 4,4 Millionen Euro veruntreut haben.

Dieses kriminelle Quartett arbeitete mutmaßlich im Bereich Schaden und Unfall: Die Behörde hat in einer weiteren Aufstellung die entwendeten Gelder aufgeteilt nach Versicherungssparten aufgelistet. Und hier sieht man, dass neun Personen aus der Verwaltung knapp 5,7 Millionen Euro in der Schadenssparte veruntreut haben. Dass die vier besagten Innendienstmitarbeiter hierzu zählen, liegt nahe. 

Erneut viele fingierte Verträge
Die Statistiken der Behörde zeigen weiter, dass 198 gebundene Vermittler einen Geldschaden von 2,46 Millionen Euro und 48 Makler einen Schaden von 2,43 Millionen Euro verursachten. Im Jahr 2017 waren letztere übrigens noch die größten Übeltäter. Die übrigen 40 Personen, die die Bafin den Gruppen angestellte Vermittler, Mehrfachvertreter, produktakzessorische Vermittler und "Sonstige" zuordnet, haben "nur" knapp 200.000 Euro auf dem Kerbholz stehen. Das Gros der Beträge wurde, wie nicht anders zu erwarten, im Sach- und Schadenbereich unterschlagen. In der Lebensversicherung waren es gut zwei Millionen Euro.

Zu den "Tatmodalitäten" vermerkt die Aufsicht ferner, dass bezogen auf Schäden ab 50.000 Euro insgesamt 44 Personen fingierte Verträge abgeschlossen und damit einen Schaden von 2,6 Millionen Euro verursacht haben. 13 haben Schadensfälle manipuliert und fünf haben Inkassogelder unterschlagen. Außerdem listet die Bafin 32 Täter in der Kategorie "Sonstige Vergehen" auf, die in Summe 6,1 Millionen Euro unterschlagen haben. Da ein großer Teil hiervon aus dem Schadensbereich kam, liegt die Vermutung nah, dass zu diesen 32 die oben erwähnten vier Innendienstleister gehören. (jb)