Die Corona-Krise hat alle Hoffnungen auf einen raschen Zinsanstieg zunichte gemacht. Viele Lebensversicherer mussten ihre Überschussbeteiligung für das Jahr 2021 daher zum Teil deutlich senken. Klassische Rententarife lohnen sich damit immer weniger. Dieser Trend spiegelt sich auch im Vertrieb von Altersvorsorgeprodukten wider. Dies zeigt eine aktuelle Umfrage des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) unter bundesweit 125 Versicherungsvermittlern.

Für die Analyse hatte das IVFP die Teilnehmer in Dezember 2020 gebeten, online ihr Geschäft in der Sparte Lebensversicherung für das abgelaufene Jahr sowie die Markttrends für 2021 zu bewerten. Knapp ein Drittel der Makler gab an, keine klassischen Produkte mehr zu vermitteln. Der Trend geht klar in Richtung kapitalmarktorientierter Produkte. 

Garantien noch immer gewünscht
Mehr als 90 Prozent aller Befragten erklärten, dass sie regelmäßig zu fondsgebundenen Rentenversicherungen beraten, wobei Garantien innerhalb dieser Produktgattung immer noch eine wesentliche Rolle spielten. Über die Hälfte der Vermittler berichteten, ihre Kunden wählten überwiegend nach wie vor einen hundertprozentigen Beitragserhalt.

Quelle: IVFP

Dem IVFP zufolge wird das künftig jedoch nicht mehr bei allen Versicherern möglich sein. Außer dem Marktführer Allianz schließen bei Fondspolicen – abgesehen von Riester-Produkten – mittlerweile weitere Versicherer Beitragsgarantien in voller Höhe aus. Bei den Vermittlern kommt dieser Schritt offenbar gut an: 75 Prozent der Befragten erwarten sich dadurch sogar ein besseres Geschäft mit Rentenversicherungen. Das überrascht nicht, denn in der Tat sind solche Garantien in Zeiten dauerhafter Niedrigzinsen kontraproduktiv. 

Zu Berufsunfähigkeitspolicen wird am häufigsten beraten
Neben der Altersvorsorge spielt die Absicherung der Arbeitskraft eine immer wichtigere Rolle für die befragten Vermittler. Die Umfrageteilnehmer beraten inzwischen am häufigsten zu Berufsunfähigkeitsversicherungen. 

Bei der konkreten Frage, wie wichtig ihren Kunden das Thema Nachhaltigkeit ist, antworteten mehr als die Hälfte aller Berater mit "sehr wichtig" oder "wichtig". Knapp 80 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass dieses Thema künftig eine noch größere Rolle spielen wird.

40 Prozent stellen sich auf neue Offenlegungspflichten ein
Die EU-Verordnung "über nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten im Finanzdienstleistungssektor" (Offenlegungsverordnung), die ab dem 10. März 2021 anzuwenden ist, gilt auch für Versicherungsunternehmen, Versicherungsmakler und -vermittler mit drei oder mehr Mitarbeitern. Diese sind verpflichtet, ihren Kunden bestimmte Informationen zum Thema Nachhaltigkeit offenzulegen. Hier zeigt die Umfrage des IVFP, dass sich bisher etwa 40 Prozent der Befragten mit diesem Thema beschäftigt haben. (am)