Die österreichische Versicherungsgruppe Austrion Life – bis vor einem Jahr firmierte sie unter dem Namen FWU – hat einen Käufer gefunden. Unterzeichnet hat den Vertrag das Investmentvehikel SKH Funding Limited mit Sitz in Guernsey. SKH besteht ausschließlich aus Fonds und Anlagemandaten des britischen Vermögensverwalters Leadenhall Capital Partners LLP, dessen Mutter wiederum ist die japanische Mitsui Sumitomo Insurance Company Ltd. (MSI). Leadenhall verwaltet ein Vermögen von 6,4 Milliarden US-Dollar.

Der Transaktion müssen noch die Behörden zustimmen. Bereits vor einem Jahr hatte der Insolvenzverwalter verkündet, Käufer für die Wiener FWU gefunden zu haben, ohne jedoch Namen zu nennen. Dann geschah lange nichts. Ein Grund dafür wurde öffentlich nicht kommuniziert, dem Vernehmen nach gab es ein Hin und Her zwischen den nunmehrigen Käufern aus London und einem weiteren Interessenten aus Liechtenstein.

Gläubiger der insolventen FWU-Gruppe
Leadenhall zählte bereits seit Längerem zu den im Gespräch stehenden Interessenten, da das Unternehmen zu den Gläubigern der pleite gegangenen FWU-Gruppe gehört. Die eigenständige österreichische FWU war eine der wenigen Töchter, die rund um die FWU-Insolvenz nicht in die Abwicklung mussten. In der Österreich-Tochter, die von der Wiener Finanzaufsicht FMA beaufsichtigt wird, war – im Unterschied etwa zur Luxemburger Assekuranz – genug Kapital vorhanden, um Probleme abzufedern.

Mit der nun bekanntgegebenen Lösung würde Austrion Life Teil eines Imperiums: Laut dem Geschäftsbericht vereinnahmte Mitsui Sumitomo im Jahr 2025 Prämien in Höhe von 25,2 Milliarden Euro (4.674,3 Milliarden Yen) und schrieb einen Gewinn von rund vier Milliarden Euro. 26 Prozent davon stammen aus dem Ausland. Größter Ertragszweig ist mit annähernd 67 Prozent der Nicht-Leben-Bereich in Japan, nur gut sieben Prozent des Gewinns kommen aus der Lebensversicherung.

Austrion Life bleibe als unabhängige Unternehmensgruppe am Markt positioniert, heißt es. Der neue Gesellschafter verstehe sich als langfristiger Finanzinvestor, wie Andreas Tautscher, Vorsitzender der SKH Funding Limited, in einer Mitteilung betont. Er hob die Entwicklung der Versicherung und die "Robustheit ihres Geschäftsmodells" hervor. Claudia Rainbacher, CEO der Austrion Life Group, erklärte, dass das Unternehmen mit den neuen Investoren den vor zwei Jahren begonnenen Transformationsprozess als unabhängiger Anbieter im Bereich der fondsgebundenen Lebensversicherung fortsetzen könne.

Pleite mit Fragen
Die FWU AG in München meldete am 19. Juli 2024 Insolvenz an. Sie hatte selbst nur Holdingfunktionen, aber keine Versicherungslizenz, und wurde nicht von der deutschen Bafin beaufsichtigt. Die Gruppenaufsicht lag bei der Versicherungsaufsicht CAA in Luxemburg, wo die eigenständige Versicherungstochter FWU Life Insurance Lux (FLL) – gleichzeitig mit der Mutter im Juli 2024 – ein Unterschreiten sämtlicher Kapitalnotwendigkeiten anmeldete (Mindest- und Solvenzkapitalanforderung, Deckung der Versicherungsverbindlichkeiten durch anrechnungsfähige Vermögenswerte). Gemeinsam mit der FLL mussten mehrere weitere FWU-Gesellschaften in die Abwicklung.

Wie es zur Schieflage in Luxemburg kam, ist nach wie vor undurchsichtig. Ende 2023 hatte das Versicherungsunternehmen noch eine Solvency-II-Quote von 163 Prozent vermeldet. Sieben Monate später, bei der Insolvenz im Juli 2024, waren es nur noch 21 Prozent.

Viele Ursachen
Das rasche Abschmelzen der Kapitalquoten steht unter anderem (aber nicht nur) in Verbindung mit Garantieverpflichtungen aus der Finanzierung von Versicherungsverbriefungen. Diese wurden in die FLL-Bilanz aufgenommen, anstatt von der FWU AG übernommen zu werden, wie aus Unterlagen hervorgeht. Auch Investitionen in die eigene Struktur werfen Fragen auf: So hatte die FLL in eine Anleihe der FWU-AG-Tochter FWU Factoring GmbH investiert, die ebenfalls in die Insolvenz musste. Die Anleihe fiel damit naturgemäß aus; ebenso wie Zahlungen aus einer strukturierten Credit-Suisse-Anleihe, die wiederum Kuponzahlungen der FWU Factoring vorsah. (eml)