Policen Direkt hat erneut die Finanzkraft der deutschen Lebensversicherer unter die Lupe genommen. Das Ergebnis zeigt erneut Licht und Schatten für die Branche. Zwar hat sich die Solidität der Gesellschaften dank der Reform der Zinszusatzreserve (ZZR) verbessert, so der Aufkäufer von Lebensversicherungen in einer Mitteilung. Auf der anderen Seite kann immerhin ein Drittel der Versicherer seine Garantieverpflichtungen nicht aus den erwirtschafteten Erträgen stemmen – immer noch nicht.

Konkret haben die Analysten aus den aktuell veröffentlichten Zahlen zur Mindestzuführungsverordnung mit Stand 2018 errechnet, dass 30 von 84 Lebensversicherern die Mittel für die Garantien in ihren Verträgen aus anderen Töpfen als aus den Kapitalgewinnen entnehmen müssen. Dazu zählen etwa Einnahmen aus der Risikoabsicherung und der Verwaltung. Ein Versicherer schaffe es sogar mit Verwaltungs- und Risikogewinnen nicht, die Anforderungen zu erfüllen und zehrt damit von der Substanz (Details finden Sie hier bei Policen Direkt).

Neun "Sorgenkinder" weniger 
Aber: Vor einem Jahr mussten 39 Versicherer ihre Risiko- und Verwaltungstöpfe anzapfen. Die Reform der ZZR (FONDS professionell ONLINE berichtete ausführlich über die Details) habe damit die erhoffte Wirkung gezeigt. "Die Zinszusatzreserve zur Absicherung der Garantien ist nützlich und sinnvoll. Für viele Versicherer wäre sie aber in der alten Form existenzbedrohend geworden", erklärt Henning Kühl, Chefaktuar von Policen Direkt. "Durch den nun langsameren Aufbau der Reserve haben die Lebensversicherer jetzt Luft, Strategien zur Verbesserung ihrer Zukunftsfähigkeit weiterzuentwickeln."

Ferner habe sich dadurch die Finanzstärke als Quote aus den Kapitalerträgen im Verhältnis zu den Rechnungszinsanforderungen nach der Anpassung auf durchschnittlich 114,03 Prozent verbessert (2017: 105,24%). Nehme man sämtliche Erträge in die Rechnung, dann sei die Steigerung noch deutlicher. Die Gesamt-Ertragsstärke verbessert sich so von 126,02 auf 141,75 Prozent. "Ein Grund dafür: Lebensversicherer mussten statt 20 Milliarden Euro im Vorjahr lediglich sechs Milliarden Euro neu in die Reserve einzahlen", so Policen Direkt.

Ein weiteres, für Vermittler und Kunden sehr wichtiges Ergebnis dieser Analyse: Die Kennzahl der Finanzstärke alleine reicht nicht, um sichtbar zu machen, wie ein Lebensversicherer aktuelle Herausforderungen angeht. "Mit Blick auf die Gesamt-Ertragsstärke wird nämlich klar, dass unter den 29 Gesellschaften, die über Risikogewinne und übrige Gewinne die Garantieanforderungen querfinanzieren, mittlerweile zahlreiche Biometriespezialisten sind – die zwar tendenziell geringere Kapitalerträge erwirtschaften, dafür aber vergleichsweise höhere Risikogewinne", so die Gesellschaft. Daher: Bei jedem Versicherer genauer hinschauen – was auch andere Studien zur Ertragslage der Assekuranz unterstreichen. (jb)