Policen Direkt hat erneut die Finanzkraft der deutschen Lebensversicherer unter die Lupe genommen. Das Ergebnis fällt gemischt: aus Die Corona-Krise hat den geprüften Gesellschaften substanziell bislang zwar nicht zugesetzt. Zugleich kann weiterhin ein signifikanter Teil von ihnen die Garantieverpflichtungen nicht aus den erwirtschafteten Erträgen stemmen, sondern muss ans Eingemachte gehen. "Angesichts der Corona-Pandemie ist es positiv, dass sich die Ergebnisse nur wenig zum Vorjahr verändert haben. Bei den meisten Lebensversicherern reichen jedoch die Erträge gerade, um die Garantien stabil zu bedienen", kommentiert Henning Kühl, Chefaktuar von Policen Direkt.

Konkret haben die Experten des in Düsseldorf ansässigen Aufkäufers von Lebenspolicen die aktuell veröffentlichten Zahlen von 80 Gesellschaften zur Mindestzuführungsverordnung mit Stand 2020 analysiert. Dabei kam heraus, dass 33, also immerhin 41 Prozent, die Mittel für die Garantien in ihren Verträgen sowie der gesetzlich vorgeschriebenen Zinszusatzreserve (ZZR) aus anderen Töpfen als aus den Kapitalgewinnen entnehmen müssen. Dazu zählen etwa Einnahmen aus der Risikoabsicherung und der Verwaltung (Details finden Sie hier). 2019 hatten nur 24 Versicherer die Garantieanforderungen quer subventionieren müssen.

Überschussbeteiligungen zeigen abwärts
Zudem ist im Branchenschnitt die Finanzstärke als Quote aus den Kapitalerträgen im Verhältnis zu den Rechnungszinsanforderungen (Garantien und ZZR) im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken – von 114,41 auf 110,40 Prozent. Übrigens: 44 Gesellschaften weisen nur eine "Finanzstärke-Quote" von 105 Prozent auf. Diese können die garantierten Leistungen laut Policen Direkt zwar noch sicher finanzieren, mussten die Zuweisungen an die Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB) jedoch senken. Das werde nicht ohne Auswirkungen auf die Überschussbeteiligungen bleiben.

Auch die "Gesamt-Ertragsstärke", die alle Erträge aus Kapitalanlagen sowie Risiko- und sonstige Gewinne ins Verhältnis zu den Rechnungszinsanforderungen stellt, ist anbieterübergreifend rückläufig. Sie sank um 4,05 Prozentpunkte auf 135,02 Prozent. Die Gründe seien zum einen die höhere Garantielast für die Versicherer, weil sie mehr Geld in die ZZR stecken mussten. Zudem gingen die Risikogewinne zurück, was auch die um fünf Prozent höheren Gewinne aus der Verwaltung nicht kompensieren konnten. (jb)