Die Niedrigzinsphase raubt  – in Kombination mit teils fatalen Fehlern in der Anlagestrategie –diversen Lebensversicherern und Pensionskassen den Atem, weil sich Garantien und Überschüsse immer weniger mit sicheren Kapitalanlagen erwirtschaften lassen. Das Resutat:  Insgesamt stehen über 30 Pensionskassen zurzeit unter verschärfter Beobachtung der Finanzaufsicht Bafin.  

Brenzlig ist die Lage bei der Deutschen Steuerberater-Versicherung, Pensionskasse des steuerberatenden Berufs VVaG (DSV). Die Bafin hat ihren Finanzierungsplan zur Überwindung der Schieflage Mitte Oktober abgelehnt und angekündigt, ihr die Erlaubnis zum Geschäftsbetrieb zu entziehen (FONDS professionell ONLINE berichtete). Ein sogannter Run-off scheint unvermeidlich zu sein. Am 11. Dezember wird die Mitglieder-Vertreterversammlung unabhängig davon über ein Sanierungskonzept abstimmen, das klären soll, wie Bestands-Vertragsverhältnisse mit welchen Leistungskürzungen fortgeführt werden.

Harte Einschnitte, aber es geht weiter
Etwas besser scheint die Lage bei der Pensionskasse der Caritas (PKC), gegründet 1952, und ihrer Schwester, der Kölner Pensionskasse (KPK), gegründet 2002. Beide befinden sich ebenfalls seit 2017 in Schieflage und mussten 2018 das Neugeschäft ebenfalls einstellen. Sie haben ihren Versicherten aber bereits konkrete Leistungskürzungen avisiert, auf Basis eines von den Mitglieder-Vertreterversammlungen beschlossenen und von der Bafin akzeptierten Sanierungskonzeptes.

Die KPK muss demnach einen Fehlbetrag von 62,5 Millionen Euro durch Leistungskürzungen, Verrechnungen des Eigenkapitals und Verrechnungen der Verlustrücklage wettmachen, die PKC sogar 146,5 Millionen Euro. Beide Kassen senken ihre Verrentungsfaktoren nicht nur für künftige Beitragszahlungen (Future Service), sondern auch für die Vergangenheit (Past Service). Für Bezieher von Ruhegeldern wirkt sich diese Kürzung ab 1. Januar 2020 auf ihre Rentenhöhe aus, bei Anwärtern wird die Rentenanwartschaft rückwirkend zum 1. Januar 2018 reduziert.

Eine Wiedereröffnung des Neugeschäfts spielt in den Planungen derzeit keine Rolle. "Wir konzentrieren uns darauf, die fortlaufenden Leistungen für unsere Versicherten sicherzustellen", sagte Olaf Keese, der beide Kassen in Personalunion seit Ende 2018 führt und gerade die Jahresabschlüsse 2018 vorgelegt hat.

Solide Ergebnisse 2018 und Hoffnung auf mehr
Die Mitglieder-Vertreterversammlungen beider Kassen haben dazu grünes Licht gegeben – und zwar jeweils einstimmig. Die KPK schaffte 343.000 Euro Geschäftsergebnis, das dem für die Sanierung geplünderten Gründungsstock zugeführt wird. Trotz erfolgreicher Kapitalanlage sprangen minus 0,03 Prozent Nettoverzinsung heraus (2017: +2,57 Prozent). "Die negative Verzinsung ergibt sich aus Abschreibungen auf Wertpapiere, die bereits im Rahmen der Sanierung berücksichtigt wurden", so Keese. Ähnlich lief es bei der PKC, die es auf 522.100 Euro Geschäftsergebnis brachte, das der Verlustrücklage und somit den Eigenmitteln zugeführt wird. Auch hier war die Nettoverzinsung entsprichend negativ.

Die Kapitalanlage beider Kassen ist stark auf Spezialfonds orientiert. Laut Geschäftsberichten macht die Sammelposition "Aktien, Anteile oder Aktien an Investmentvermögen und andere nicht festverzinsliche Wertpapiere" bei der KPK 54 Prozent aus (Renten: 39 Prozent), bei der PKC gar 76,7 Prozent (Renten: 14 Prozent). Der reine Aktienanteil (Brutto-Aktienquote) betrug bei der KPK 8,64 Prozent des Kapitalanlagenbestandes und bei der PKC 10,04 Prozent. Das ist deutlich mehr als im Durchschnitt der deutschen Lebensversicherer.

Doch zaubern können Pensionskassen angesichts verschärfter Sicherheitsanforderungen bei der Kapitalanlage auch nicht. Spannend sind daher die Beschlüsse der Vertreterversammlungen zur Überschussverwendung 2018, die sich in der Diktion etwas unterscheiden. Bei der Kölner PK "stehen keine Mittel für die Überschussbeteiligung … zur Verfügung, sodass keine überschussfinanzierten Leistungserhöhungen gewährt werden", heißt es im Geschäftsbericht. Bei der PK der Caritas werden "die in die Rückstellungen für Beitragsrückerstattung (RfB) eingestellten Mittel nicht für Leistungserhöhungen verwendet, sondern zur Stärkung der Risikotragfähigkeit auf das Folgejahr vorgetragen", also auf 2019.

Niedrigzins hält Kapitalanleger in Atem
Kürzlich schreckte eine Auswertung des Policen-Aufkäufers Policen Direkt mit der Botschaft, dass bei 30 von 84 Lebensversicherern die erwirtschafteten Erträge aus der Kapitalanlage nicht ausreichen, um die Garantieverpflichtungen zu erfüllen und die gesetzlich vorgeschriebene Reserve zu bedienen (FONDS professionell ONLINE berichtete). Diese Unternehmen müssten dafür Erträge aus Risiko und Verwaltung in die Rechnung einbeziehen, war zu lesen. Es ist davon auszugehen, dass dies auch auf Pensionskassen und Direktversicherungen dieser Häuser durchschlägt.

Übrigens: Das Neugeschäft arbeitgeberfinanzierter bAV-Verträge von Mitarbeitern der Caritas-Rechtsträger, die nicht Beteiligte einer öffentlich-rechtlichen oder kirchlichen Zusatzversorgungskasse sind, erfolgen rückwirkend zum 1. Januar 2019 über die R+V Lebensversicherung. Geboten wird eine klassische Direktversicherung mit herkömmlichen Garantien (FONDS professionell ONLINE berichtete) Der Versicherer übernimmt aber von der Caritas-PK keine Verwaltung, keinen Altbestand und kooperiert insofern auch nicht mit der Kasse. (dpo)