Die Zusatzbeiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung werden im Jahr 2023 von 1,3 auf 1,6 Prozent erhöht, so jedenfalls plant es die Bundesregierung. Weil Versicherten daraus ein Sonderkündigungsrecht entsteht, müssen die Kassen laut Managementberatung Horváth mit massiven Veränderungen im Vertragsbestand rechnen. Nach einer aktuellen Studie erwägen 56 Prozent der Versicherten den Wechsel zu einer anderen Krankenkasse.  

Bisher hatten vor allem Singles ihre Krankenkasse regelmäßig in puncto Preis und Leistung unter die Lupe genommen, sagt Simon Arne Manner, Studienleiter und Partner bei Horváth: "Jetzt sind es mit großer Mehrheit Familien, die aufgrund der gestiegenen Lebenshaltungskosten über einen Wechsel nachdenken." Demnach sind 50 Prozent der Singles zu einem Wechsel bereit und bei Familien sogar über 70 Prozent.   

Versicherungen sollten angespannte Stimmung nicht unterschätzen 
Manner warnt Versicherungen davor, die angespannte Stimmung auf die leichte Schulter zu nehmen: "Konnten die Kassen früher mit mindestens zwölf Monaten Bindung planen, ist nun mit massenhaften Bewegungen zu rechnen." Zwar wird das Sparpotenzial bei einem Wechsel häufig überschätzt, es hoffen wegen der allgemein gestiegenen Lebenshaltungskosten nun aber besonders viele Versicherte darauf, mit einem Wechsel zu sparen. Insgesamt geben 62 Prozent der Befragten die Suche nach der Kasse mit den geringsten Kosten als wichtigstes Kriterium für einen Wechsel an, noch vor besseren Versorgungsangeboten.  

Den Krankenkassen empfiehlt der Horváth-Experte, ihre Vertriebsaktivitäten hochzufahren und gezielt Kernleistungen und Mehrwerte zu bewerben, bevor das Wechselspiel losgeht: "So lassen sich Neukunden gewinnen und Bestandskunden halten." (fp)