Kunden deutscher Lebensversicherer müssen sich warm anziehen – und das nicht nur wegen der derzeit arktisch anmutenden Außentemperaturen. Zahlreiche Lebensversicherer haben die Zinsen sowohl für klassische Policen als auch Produkte der "Neuen Klassik" im Zuge der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank auf ein neues Rekordtief gesenkt.

Im Schnitt beläuft sich die laufende Verzinsung für klassische Produkte in diesem Jahr auf nur noch 2,01 Prozent, Inhaber einer "Neuen-Klassik-Police" erhalten durchschnittlich 2,16 Prozent. Zum Vergleich: Vor vier Jahren gab es noch 2,47 beziehungsweise 2,59 Prozent zu holen. Das geht aus einer Aufstellung des Internetportals PKV Wiki hervor, das die entsprechenden Daten von mehr als 90 Gesellschaften für 2021, eingeschlossen deren Tochterunternehmen zusammengetragen hat.

Der Rückgang der Verzinsung über die vergangenen Jahre fällt bei einigen Gesellschaften beträchtlich aus. Die Cosmos Leben beispielsweise senkte die Zinsen laut den Angaben von PKV-Wiki in den vergangenen vier Jahren um 1,1 Prozentpunkte auf nunmehr 1,5 Prozent. Bei der Debaka sind es sogar 1,5 Prozentpunkte (laufende Verzinsung 2021: 1,25 Prozent). Große Player wie die Allianz haben die Erträge für Kunden weniger stark eingedampft. Der Branchenprimus senkte die laufenden Zinsen für beide Tarifarten um jeweils 0,5 Prozentpunkte, die Axa sogar nur um 0,3 Prozentpunkte.

Großer Graben bei Verzinsungen der Versicherer
Zudem gibt es unter den Gesellschaften große Unterschiede. Die höchste Verzinsung bietet die in Berlin ansässige Ideal Versicherung mit drei Prozent – und das zum dritten Mal in Folge. Ebenfalls von ihrer vergleichsweise großzügige Seite  mit jeweils 2,7 Prozent zeigt sich der Volkswohl Bund Leben bei seinen Neue-Klassik-Tarifen, die DEVK Eisenbahn für beide Produkttypen sowie die Direkte Leben. Am unteren Ende finden sich die Debeka Leben, die R+V Leben a.G. und die Generali-Leben-Nachfolgerin Proxalto mit mageren 1,25 Prozent. Wobei Kunden der sich im Run-off befindlichen Proxalto, die ältere Verträge haben, die in diesen festgeschriebene, höhere Mindestverzinsung erhalten.

Ein wichtiger Punkt noch für das Verständnis der Tabelle: Die Zahlen beziehen sich auf die laufende Verzinsung ohne Mindestbeteiligungen an den Bewertungsreserven und die möglichen Schlussüberschuss-Anteile. Die tatsächliche Überschussbeteiligung, die die Versicherungsnehmer 2021 erhalten, liegt daher höher als die in der Tabelle aufgelistete Verzinsung. Die Allianz etwa zahlt in Summe für ihr Klassik-Produkt 2,9 Prozent.  (jb)