Die deutschen Lebensversicherer und ihre Pensionskassen sowie Pensionsfonds verzeichneten 2019 ein Beitragsplus von 11,3 Prozent auf 102,5 Milliarden Euro. Davon entfielen 64,3 Milliarden Euro auf das Geschäft gegen laufenden Beitrag (+ 0,1 Prozent) und 38,2 Milliarden Euro auf Einmalbeiträge (+ 37,1 Prozent). "Die Beitragsentwicklung ist für unsere Branche ein klarer Vertrauensbeweis der Kunden", sagte Wolfgang Weiler, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), auf der Jahrespressekonferenz in Berlin.

Die Beitragseinnahmen stiegen auch in der Schaden- und Unfallversicherung sowie in der privaten Krankenversicherung überdurchschnittlich stark an. Sie kletterten für die Gesamtbranche um 6,7 Prozent auf 216 Milliarden Euro. Alle drei Sparten verbuchten bessere Ergebnisse als 2018 (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Überraschend hohe Zuwächse
Markant für die Lebensversicherung: "Die Umstellung auf neue Produkte wird von den Kunden immer besser angenommen", resümierte Weiler. Verträge mit modifizierten Garantien machen inzwischen 60,3 Prozent am gesamten Neugeschäft aus (2018: 57,2 Prozent). Ebenfalls erfreulich entwickelte sich laut GDV auch die betriebliche Altersvorsorge (bAV): Die gesamten Brutto-Beiträge wuchsen 2019 um 5,3 Prozent auf 18,9 Milliarden Euro.

Im Neugeschäft verbuchten die Lebensversicherer 2019 kräftige Zuwächse. Zwar ging die Zahl der Verträge insgesamt um 200.000 Stück gegenüber 2018 auf 4,9 Millionen Neuabschlüsse zurück. Doch das Annual Premium Equivalent (Kennziffer für den laufenden Beitrag für ein Jahr plus 10 Prozent der Einmalbeiträge) stieg bei neuen Policen gegen laufenden Beitrag um 10,1 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro. Bei neuen Einmalbeitrags-Policen war gar ein Zuwachs von 35,6 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro zu verzeichnen.

"Das ist allerdings kein Grund für Euphorie, denn das Marktumfeld bleibt wegen der niedrigen Zinsen extrem herausfordernd", relativierte Weiler. Für das laufende Jahr erwartet die Branche eine Normalisierung des Beitragswachstums auf 1,5 bis 2,0 Prozent insgesamt, speziell in der Lebensversicherung aber lediglich auf gut 1,0 Prozent.

Neue geldpolitische EZB-Strategie gefordert
Für den GDV-Präsidenten dürfte 2020 aus Branchensicht von drei großen Themen geprägt sein: der Diskussion um den Klimawandel, der Notwendigkeit einer tiefgreifenden Reform der privaten Altersvorsorge und der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Bei der Bekämpfung des Klimawandels unterstützen die Versicherer den "Green Deal“ der EU-Kommission. 

Mit Blick auf die Zukunft der privaten Altersvorsorge lehnt Weiler Staatsfonds-Lösungen ab und plädiert stattdessen für eine tiefgreifende Reform der geförderten Privatvorsorge. Die gemeinsam mit anderen Verbänden vorgelegten Vorschläge wiesen dafür den Weg. Die neue EZB-Präsidentin Christine Lagarde wurde von Weiler aufgefordert, eine Trendwende einzuleiten, um die Folgen der Niedrigzinsen für Sparer und Sparklima einzudämmen. Die von der EZB angekündigte Überprüfung der geldpolitischen Strategie begrüßt die Versicherungswirtschaft ausdrücklich als große Chance. (dpo)