Der Fall ist spektakulär. Die BayernLB hat in einem Zivilprozess einige Ex-Vorstände und deren Managerhaftpflicht-Versicherer wegen der Übernahme des Milliardengrabes Hypo Alpe Adria auf Schadenersatz verklagt. Die Bank möchte 200 Millionen Euro ersetzt bekommen, ein Konsortium aus D&O-Versicherern (Directors' & Officers' Liability) möchte natürlich nicht zahlen, sodass nun das Landgericht München I entscheiden muss. Das hat laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) zuletzt einen Vergleich in Höhe von 60 bis 70 Millionen Euro vorgeschlagen, die die Versicherer berappen sollen. Ob das klappt ist, aber fraglich.

Das Beispiel zeigt, um was für Summen es bei der Haftung für Manager im Extremfall gehen kann. Gerichtliche Auseinandersetzungen bei Großschäden wie dem obigen sind die Regel. Doch auchb Kleinvieh macht Mist: Selbst bei überschaubaren Schadensummen kämpfen die Versicherer mit harten Bandagen und lassen nichts unversucht, um Zahlungen zu vermeiden. Denn die Erfolgsrechnung der Branche ist in dieser Sparte tiefrot, so die SZ.

45 Cent Verlust je eingenommenem Euro
Die Zeitung verweist darauf, dass im November 2017 zum ersten Mal Zahlen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) den Weg in die Öffentlichkeit fanden: "Für jeden Euro an Prämie, den die Versicherer für D&O-Verträge eingenommen hatten, mussten sie 2015 exakt 1,45 Euro für Schadenzahlungen, den Aufbau von Reserven, Vertriebs- und Verwaltungskosten aufwenden", schreibt die Zeitung. 2016 waren es immer noch 1,30 Euro. Bei rund 500 Millionen Euro an Einnahmen mussten die Versicherer also in beiden Jahren 225 Millionen Euro beziehungsweise 150 Millionen Euro zuschießen. Die Zahlen für 2017 sehen kaum besser aus: Der Aufwand betrug 1,15 Euro pro Euro Prämieneinnahmen, das Defizit demnach also 75 Millionen Euro.

Daher drängen vor allem große Versicherer auf rasche Preiserhöhungen. Der US-Anbieter AIG beispielsweise kündigte für 2018 Aufschläge von zehn Prozent für alle deutschen D&O-Verträge an. Noch aber können die meisten Unternehmen weiter preisgünstig Schutz für ihr Führungspersonal einkaufen: Eine Million Deckungssumme kostet im Schnitt 700 Euro im Jahr, bei Großunternehmen bis zu 1.100 Euro.(jb)