Die Nachricht ließ die Versicherungsbranche zu Jahresbeginn aufhorchen: Carsten Maschmeyer beteiligt sich am Digitalversicherer Neodigital. Damit hatte der Ex-Chef des Finanzvertriebes AWD, der nun als Start-up-Investor tätig ist, eine Kehrtwende vollzogen. Lange Zeit wollte er nicht in Versicherungen investieren, da diese zu nah an seiner "alten Welt" waren. Erst ein längerer Aufenthalt in den USA führte zu einem Sinneswandel, wie er im exklusiven Interview mit FONDS professionell berichtet, das in voller Länge in Ausgabe 3/2020 erscheint und in dem er auch erläutert, wie aus seiner Sicht heutzutage der Vertrieb von Finanz- und Versicherungsprodukten aussehen sollte.

Zweiter Gesprächspartner beim Interviewtermin in München war Stephen Voss, Mitgründer und Vertriebsvorstand von Neodigital, der den Beginn der Partnerschaft so schildert: "Wir waren auf der Suche nach Kapitalgebern. Carsten Maschmeyer stand ganz oben auf unserer Liste der Wunschinvestoren. Er kommt aus der Versicherungsbranche und versteht genau, was wir machen. Geld ist zwar hilfreich, aber 'intelligentes Kapital' mit Netzwerk ist für uns wichtiger."

Seine Rolle bei dem Versicherungs-Start-up beschreibt Maschmeyer, der auch aus der Gründer-TV-Show "Höhle der Löwen" bekannt ist, als beratend. "Unsere Aufgabe ist es, mit der Außenperspektive zu helfen und wertvolle Anregungen zu geben", sagt er. Die meisten Gründer seien so sehr damit beschäftigt, was sie operativ im Unternehmen verbessern können, dass sie leicht aus dem Blick verlieren, was andere strategisch oder für die Expansion tun. Maschmeyer gibt aber nicht nur Anregungen, er greift nach eigenen Angaben auch zum Telefonhörer und stellt Kontakte zu potenziellen Partnern für den Versicherer her.

Prozesse fast vollständig digitalisiert
Dem Werben von Voss und seinem Team hat Maschmeyer nachgegeben, weil Neodigital seiner Ansicht nach der Bafin-regulierte Versicherer ist, "der die Digitalisierung am weitesten vorangetrieben hat". 99,6 Prozent der Prozesse seien automatisiert. Das sei wichtig, denn die händische Bearbeitung von Eingaben sei nicht mehr zeitgemäß. Die Digitalisierung beziehe sich aber nicht nur auf die internen Vorgänge bei Neodigital. Die Vertriebsprozesse seien ebenfalls automatisiert – gerade auch in Zeiten von Corona ein wichtiges Asset. "Wir haben in der Coronakrise gemerkt, dass Videoberatung ein zusätzlicher Kanal werden wird. Vermittler, die dieses und andere digitale Kommunikationstools wie eine App nicht genutzt haben, mussten enorme Einbrüche beim Neugeschäft verzeichnen", so Maschmeyer. Ebenso wichtig sei aber, dass die Abwicklung und der Abschluss ebenfalls digital erfolgen, sodass die Police sofort beim Kunden ankomme. Andernfalls ergebe eine Videoberatung wenig Sinn.

Der Vertriebsprofi ließ sich auch Tipps und Ratschläge für eine erfolgreiche Zukunft als Finanzberater entlocken: "Ich glaube, die Dinge, die früher wichtig waren, sind es auch heute noch: Man braucht Empathie sowie die Fähigkeit, zuzuhören und komplexe Sachverhalte anschaulich beschreiben zu können – also ein pädagogisches Händchen. Zusätzlich sollten Vermittler die Technik zur Hilfe nehmen." Auf diese Weise hätten Vermittler mehr Zeit für die Beratung zu komplexeren Produkten. Zusammengefasst: "Der Mix aus Mensch und Maschine, das ist heute der Schlüssel für den Erfolg im Vertrieb." (jb)


Das vollständige Interview mit Carsten Maschmeyer und Stephen Voss lesen Sie in Ausgabe 3/2020 von FONDS professionell, die den Abonnenten in diesen Tagen zugestellt wird.