Die Axa Versicherung Deutschland überlegt, ob sie Mitbewerbern wie Ergo und Generali folgen und ihren Bestand an klassischen Lebensversicherungen aufgeben soll – gemäß Fachjargon also in den "Run-off" schickt. Das sagt Unternehmenschef Alexander Vollert in einem Interview mit der "Börsen-Zeitung".

In dem Gespräch bekennt sich Vollert zwar zu diesem Bereich – Lebensversicherungen würden weiterhin ein wichtiges Standbein sein. Gleichzeitig erwartet er eine weitere Flexibilisierung bei den Garantien: Das bekannte Modell mit garantierter Mindestrendite werde mehr und mehr von alternativen Formen abgelöst. Für die alten Lebensversicherungsbestände jedenfalls sieht Vollert "durchaus eine Option" in einer "externen Abwicklung über eine Run-off-Plattform", so die Zeitung.

Die Gründe für diesen Schritt sind bekannt. Die Minizinsen drücken auf die Erträge und damit die Kapitalausstattung der Versicherer. Hinzu kommt die 2011 staatlich verordnete Zinszusatzreserve: Die Rückstellungen für ältere, hochverzinste Policen engen den Spielraum für die Erwirtschaftung von Renditen zusätzlich ein, da sie direkt vom Rohüberschuss der Gesellschaften abgezogen werden, sodass unter dem Strich noch weniger bei den Kapitalergebnissen übrig bleibt.

Assekurata-Chef sieht Abschied von klassischen Lebenspolicen
Die Aussage des Axa-Chefs dürfte Reiner Will, Geschäftsführer der Ratingagentur Assekurata, nicht überraschen. Der Versicherungs- und Solvenz-Experte führte in einem Interview mit dem Branchenblatt "Aktuar aktuell" unlängst aus, dass er im Moment eine Forcierung bei Run-offs sieht, wie die Axa ihn ins Auge fasst: "Die wohl häufigste Form des Run-off ist die Schließung von Beständen für das Neugeschäft und die Fortsetzung der Geschäftstätigkeit mit geänderten Produkten. Genau dies lässt sich im Moment verstärkt feststellen", zitiert das Magazin Will.

Am Ende werden Will zufolge die klassischen Lebensversicherungstarife mehr oder weniger gänzlich ihre Bedeutung im Neugeschäft verlieren. Nachhaltige Treiber für diese Veränderungen seien dabei auch zu geringe Produktrentabilität, zu geringe Bestandsgrößen oder wachsende Regulierungsaufwendungen. (jb)