Medien: Frankfurter Leben steht vor Kauf von Athora Deutschland
Die Athora Deutschland steht zum Verkauf. Und offenbar hat der Mitbewerber Frankfurter Leben das Rennen um den Run-off-Versicherer gemacht, wie "Bloomberg" meldet. Ganz in trockenen Tüchern ist das Geschäft aber noch nicht.
Der Run-off-Versicherer Frankfurter Leben nähert sich Insidern zufolge dem Kauf der deutschen Tochter des Wettbewerbers Athora Holding. Die Transaktion werde nach Angaben mit dem Vorgang vertrauter Personen womöglich bereits in diesem Monat bekannt gegeben. Die Gespräche könnten allerdings auch noch scheitern, und es könnten auch noch weitere Bieter auf den Plan treten.
Vertreter von Frankfurter Leben, an der der chinesische Konzern Fosun International die Mehrheit hält, und Athora lehnten eine Stellungnahme ab. An ihr ist der Finanzinvestor Apollo Global Management mit knapp 25 Prozent beteiligt.
Erste Verkaufsgerüchte schon im Januar
"Bloomberg" berichtete bereits im Januar, dass Athora Optionen für die deutsche Sparte einschließlich eines möglichen Verkaufs prüft, nachdem das Wachstum hinter den Erwartungen zurückgeblieben war. Das deutsche Geschäft verwaltet einen geschlossenen Bestand traditioneller Lebensversicherungen sowie fondsgebundener Lebens- und Rentenversicherungen für rund 140.000 Kunden. Das verwaltete und administrierte Vermögen beläuft sich auf 3,5 Milliarden Euro. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 100 Mitarbeiter.
Athora hatte in diesem Jahr angekündigt, den Hauptsitz von Bermuda nach Großbritannien zu verlegen. Die Mitteilung erfolgte nach Abschluss der Übernahme der britischen Pension Insurance Corp. Durch die Transaktion stieg das verwaltete und administrierte Vermögen von Athora auf 139 Milliarden Euro und hat sich damit nahezu verdoppelt. Die Frankfurter Leben verwaltet rund 700.000 Versicherungsverträge mit einem Anlageportfolio von etwa 13 Milliarden Euro.
Eurovita und die Folgen
Die Eigentümer von Lebensversicherern sowie Übernahmen in diesem Sektor stehen seit dem Zusammenbruch des italienischen Versicherers Eurovita im Jahr 2023 unter verstärkter Beobachtung europäischer Aufsichtsbehörden, die Run-offs kritisch sehen: Die Eurovita gehörte der britischen Beteiligungsgesellschaft Cinven, die dem in finanzielle Schieflage geratenen Versicherer nicht half. Danach kam es faktisch zu einem Stopp bei Run-offs in Deutschlands, was von Experten auch darauf zurückgeführt wurde, dass die Viridium, Deutschlands größter Run-off-Versicherer, ebenfalls größtenteils zu Cinven gehörte. Mittlerweile ist sie aber im Besitz eines Konsortiums um die Allianz.
Auch daher nimmt der Run-off-Markt langsam wieder Fahrt auf, es werden wieder verstärkt Gespräche geführt. Vor allem aber zwingt der Strukturwandel in der Branche, verbunden mit einer seit Jahren rückläufigen Nachfrage nach Lebenspolicen und somit schrumpfenden, aber mit hohen IT-Kosten verbundenen Beständen, die Versicherer dazu, sich nach Alternativen umzuschauen. Eine ist der Verkauf – oder im Fachjargon Run-off – an eine externe Gesellschaft. Allerdings sind nicht alle Versuche erfolgreich. Die R+V Versicherung gab vergangene Woche bekannt, ihren Maklerversicherer Condor Leben doch nicht verkaufen zu wollen. (Bloomberg/jb)















