"Die Ergebnisse der deutschen Lebensversicherer stehen aufgrund der niedrigen Zinsen, die die Renditen ihrer gewöhnlichen Kapitalanlagen schmälern, schon seit Jahren unter Druck", erklärt Christian Badorff, Senior Analyst bei Moody's. "Diese Dynamik wird durch den Corona-bedingten Konjunkturrückgang zusätzlich verstärkt – und es wird auch auf absehbare Zeit nicht mit einem Zinsanstieg gerechnet." Vor diesem Hintergrund versah Moody's die deutschen Lebensversicherer für 2021 mit einem negativen Ausblick, da der neuerliche Rückgang des Zinsniveaus ihre Erträge und Kapitalausstattung belasten dürfte.

Den Ausblick für die Schaden- und Unfallversicherer des Landes sieht die Ratingagentur hingegen als stabil an, da die Teil-Branche von gesunden Margen im Versicherungsgeschäft und einer guten Kapitalausstattung profitiere. Die Zunahme bei geltend gemachten Pandemie-Ansprüchen werde durch geringere Fallzahlen in der Kfz-Versicherung wohl ausgeglichen. Viele Menschen fahren weniger Auto, etwa wegen Lockdowns.

Konzernweit hatte beispielsweise der deutsche Branchenriese Allianz für die ersten beiden Quartale eine Covid-19-bedingte Belastung von rund 1,2 Milliarden Euro ausgewiesen. Zwei Drittel davon entfielen auf die Schaden- und Unfallversicherung, der Rest auf die Lebens- und Krankenversicherung. Insgesamt bleibt laut Moody's die Qualität der Investmentportfolios der deutschen Versicherer solide, mit begrenzten Engagements in risikoreichen Assetklassen und moderaten Kreditrisiken. (mb/Bloomberg)