Versicherungsvertreter sind nicht mehr der wichtigste Abschlusskanal für Policen. So schlossen nur noch 24 Prozent der Endkunden im Jahr 2020 ihre Verträge über einen gebundenen Vermittler ab, ein Rückgang von 13 Prozentpunkten im Vergleich zum Jahr 2015. Das ist das Ergebnis der "EY Innovalue Digitization Study 2020", für die mehr als 3.000 Endkunden befragt wurden. 

Der wichtigste Abschlusskanal im vergangenen Jahr waren die Internetseiten der Versicherer: 27 Prozent der Befragten kauften 2020 Versicherungen über die jeweiligen Online-Auftritte der Gesellschaften, wie die auf Finanzdienstleister spezialisierte Managementberatungsgesellschaft EY Innovalue in einer Pressemitteilung schreibt. Weitere 15 Prozent schlossen Verträge über Vergleichsportale ab, ähnlich viele über die Service-Center der Versicherungsgesellschaften. Bei Maklern und Bankberatern haben weniger als sieben Prozent der Befragten eine Police unterzeichnet. 

Corona als Trend-Beschleuniger
Ein Treiber für diese Entwicklung war Corona – aber nicht nur: "Die Tatsache, dass im letzten Jahr erstmals Online-Kanäle durchschnittlich häufiger genutzt wurden, ist oberflächlich auf die Kontakt- und Mobilitätsbeschränkungen während der Pandemie zurückzuführen, die größtenteils persönliche Formen der Vor-Ort-Interaktion unterbunden haben“, erklärt Johannes Schmidt, Director bei EY Innovalue. "Der Trend in Richtung digitaler Journeys ist jedoch viel fundamentaler und findet auch unabhängig von Covid-19 statt. Die Pandemie wirkt vielmehr als ein Beschleuniger der ohnehin stattfindenden Transformation."

Allerdings macht EY Innovalue eine wichtige Einschränkung: Die Angaben basieren auf den Abschlüssen für alle Versicherungen. Lebens- und Krankenvollversicherungen werden wegen ihrer Langfristigkeit und Komplexität aber immer noch deutlich häufiger über einen Vermittler abgeschlossen. Sach- und insbesondere Kfz-Versicherungen, die weniger erklärungsbedürftig sind, werden von Endkunden zunehmend direkt über die Anbieter-Plattformen gekauft. (jb)