In Deutschland steigt der Missmut gegenüber den von der Europäischen Zentralbank (EZB) verordneten Minuszinsen. Einer, der diesbezüglich kein Blatt vor den Mund nimmt, ist Frank Grund. Der Exekutivdirektor für die Assekuranz bei der Finanzaufsicht Bafin hat laut übereinstimmenden Medienberichten auf der in dieser Woche stattgefundenen Jahreskonferenz erneut die durch das Zinstief immer bedrohlicher werdende Lage vieler Lebensversicherer und Pensionskassen angesprochen. Daher müsse die Bafin die Kontrolle weiter verstärken. Derzeit stehen 14 namentlich nicht benannte Lebensversicherer und 31 Pensionskassen unter "Manndeckung". Die Behörde geht davon aus, dass diese Zahl zunehmen wird.

Nicht lamentieren, machen!
Grund forderte zudem die Branche selbst auf, sich zu wehren. "Es ist ein Punkt erreicht, an dem die Marktteilnehmer sehr deutlich machen sollten, wie stark die niedrigen Zinsen mittlerweile ihr Geschäftsmodell und damit ihren Beitrag zur kapitalgedeckten Altersversorgung gefährden." Allerdings nimmt er die Gesellschaften im gleichen Atemzug in die Pflicht, sie sollen "nicht lamentieren, sondern die Realität zu akzeptieren und sich auf die aktuelle Zinssituation bestmöglich einzustellen." Viele Lebensversicherer hätten dies auch gemacht und beispielsweise ihre Kosten gesenkt, ihre Eigenmittel gestärkt oder die Überschussbeteiligung reduziert. "Weiter so!", bestärkt Grund diese Versicherer.

Sein Vorgesetzter Felix Hufeld ist da, was Banken anbetrifft, im Erkenntnisprozess schon einen Schritt weiter. Der Bafin-Präsident hat schon mehrfach die "Opfermentalität" der Geldinstiute kritisiert, die bereits lautstark gegen die vermeintlich ruinösen Minizinsen protestieren. Sie sollten endlich ihre überkommenen Geschäftsmodelle ändern und statt auf Zinserträge verstärkt auf Provisionen für die Vermittlung von Wertpapieren setzen, rät Hufeld. (aa/jb)