Die Deutsche Bank hat ihren digitalen Versicherungsmanager offiziell gestartet. Kunden der Bank können künftig im Online-Bereich des Instituts über das Tool Sachversicherungen wie Haftpflicht, Hausrat oder Wohngebäudeschutz verwalten und auch abschließen. Noch im Oktober dieses Jahres soll dies auch bei Kfz-Policen möglich sein. 80 Versicherer und Tarife stehen zur Auswahl. Neben dem Abschluss von Sachversicherungen können die Kunden zudem Verträge für Lebens- und Krankenversicherungen hochladen und so alle ihre Policen an einem Ort digital speichern und verwalten. 

Der Start des Versicherungsmanagers, hinter dem eine Tochter der Bank mit einer Lizenz als Versicherungsmakler steht und dessen IT das Insurtech Friendsurance stellt, war bereits Anfang 2018 angekündigt worden. Die Verzögerung des offiziellen Starts beruht dem Bericht eines Branchendienstes zufolge auf Änderungen in der ursprünglich geplanten Zusammenarbeit.

Rückkehr der Bancassurance
Die größte Bank Deutschlands erweitert mit dem Angebot nach eigenen Angaben ihr Geschäftsfeld um die elektronische Maklertätigkeit für Sachversicherungen. "Wir glauben an eine Rückkehr der Bancassurance durch die Digitalisierung", erläutert Philipp Gossow, Leiter des Privatkundengeschäfts der Deutschen Bank in Deutschland, die im Filialbereich aber weiterhin exklusiv mit der Zurich zusammenarbeitet. "Hier wollen wir die guten Marktchancen im digitalen Versicherungsvertrieb für unser Haus nutzen", erklärt er.

"Kunden wollen ihre Finanzangelegenheiten schnell, einfach und effizient erledigen. Nach einer repräsentativen Yougov-Umfrage wünschen sich 52 Prozent der Deutschen, ihre Versicherungsverträge direkt in ihrem Online-Banking verwalten und optimieren zu können", ergänzt Tim Kunde, Geschäftsführer und Mitgründer von Friendsurance. "Diesem Wunsch begegnen wir durch die tiefe und nahtlose Integration unserer digitalen Bancassurance-Plattform in das Online-Banking der Deutschen Bank."

Win-Win-Situation
Solche Kooperationen im Versicherungsbereich sind für Banken sowie auch Versicherer lukrativ. Das Kreditinstitut erhält Provisionen, die gerade in Zeiten des Nullzinses, der ihnen das klassische Bankgeschäft vermiest, als Einnahmequelle sehr interessant sind. Und die Versicherungsgesellschaften haben, auch wenn sie an einem Makler angeschlossen sind, einen weiteren Vertriebskanal. 

Ferner möchte die Deutsche Bank mit dem Schritt auch in den "in den Wettbewerb mit klassischen Vergleichsportalen" eintreten. Das zielt mit Sicherheit auf den Branchenprimus Check24 und auf Verivox. Beide Portale haben aufgrund ihres hohen Bekanntheitsgrades eine große Kundschaft. Für Geldinstitute ist es aber gefährlicher, dass Check24 Mitte des Jahres eine eigene Bank gegründet hat. Damit kann der Münchner Online-Riese seinen Kunden nicht nur Policen sowie Kredite anbieten, sondern auch Girokonten. Das bedeutet auch, dass er die so wichtige Kundenschnittstelle besetzen kann: Personen schauen mehrfach die Woche auf ihr Girokonto, nicht aber auf ihre Versicherungen. Über den Weg des Kontos kann man daher einfach Kontakt zum Kunden aufnehmen und ihm auch neue Produkte anbieten. (jb)