PKV: Die besten Anbieter im Rating
Eine neue Studie zeigt, dass die privaten Krankenvollversicherer (PKV) Beitragserhöhungen wie nie zuvor hinnehmen müssen. Wer jetzt noch mit Bilanz, Service und Vertrag sowie Beitragsstabilität überzeugt.
Das 25. "Rating Private Krankenversicherung" des Marktbeobachters Map-Report (Nr. 942), das Anfang Dezember veröffentlicht wurde, offenbart die kräftigsten Beitragsanpassungen seit einem Vierteljahrhundert. Es konzentriert sich auf Bilanz, Service und Vertragskennzahlen der Jahre 2020 bis 2024 sowie die Bestandsbeiträge der Anbieter von Krankheitskostenvollversicherungen.
"Das Bewertungsgerüst umfasst zwölf Bilanzkennzahlen, fünf Servicequoten sowie umfangreiche Analysen des Gesundheitsmanagements, der Transparenz und der Beitragsentwicklung", erklärt Analyst Reinhard Klages. Die Serviceleistungen wurden dabei höher als früher gewichtet: Das Gesundheitsmanagement beeinflusse nun 18,2 Prozent der Gesamtpunktzahl und habe damit doppelt so viel Gewicht wie bisher.
Ein Drittel der Anbieter im Check
Elf Gesellschaften mit rund 42 Prozent Marktanteil lieferten dem Map-Report, der seit 2019 in Verantwortung des Analysehauses Franke und Bornberg (FuB) erscheint, die erforderlichen Daten. Bei 19 weiteren Unternehmen griff der Marktbeobachter auf öffentlich zugängliche Quellen zurück. Das Ergebnis: Nur zwei Versicherer erreichten die Höchstwertung (hervorragend). Die LVM verteidigte ihren den ersten Platz aus dem Vorjahr mit gut 90 Prozent der möglichen Punkte, gefolgt von Signal Iduna (88 Prozent).
Die Debeka verpasst erstmals die höchste Bewertungsklasse, führt aber das Feld der sehr guten Versicherer an (82,7 Prozent). Seit 2021 liefern sich diese drei Unternehmen ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Sehr gute Bewertungen erreichten zudem Allianz (82,45 Prozent), Alte Oldenburger (81,36 Prozent), R+V (81,04 Prozent), SDK (77,86 Prozent) und VGH Provinzial (75,85 Prozent). Die Concordia, im Vorjahr ebenfalls sehr gut bewertet, verzichtete diesmal auf eine Teilnahme.
Möglichkeiten und Grenzen des Ratings
Die Hanse Merkur führt mit 70,18 Prozent der möglichen Punkte das Feld der guten Bewertungen an, hat aber erneut Potenzial für eine bessere Bewertung verschenkt, weil Daten unter anderem zur Prozessquote wieder nicht geliefert wurden. Ebenfalls gut bewertet wurde die Württembergische, befriedigend die Mecklenburgische. Ausreichende Noten bekamen 19 weitere Anbieter, die sich dem Rating verweigerten oder nur lückenhafte Daten lieferten. Klages räumt ein, dass manche Daten aber gar nicht lieferbar sind. So biete die Württembergische keine Tarife für Beamte an und könne deshalb im Vertragsteil zu den Beispielrechnungen und der Flexibilität der Tarife gar nicht die volle Punktzahl erreichen.
Im Servicebereich, der Beschwerden, Prozesse, Storno, Transparenz und Gesundheitsmanagement umfasst, hat sich bei den Teilnehmern einiges getan. Besonders Allianz, LVM, Debeka, HanseMerkur und SDK bauten ihre Angebote im Gesundheitsmanagement aus. Die Debeka bleibt wie in den Vorjahren Marktführer im Servicebereich.
Beitragssprünge wie nie zuvor
Die Branche kämpft mit explodierenden Schadenaufwendungen. Die elf Teilnehmer des PKV-Ratings, die alle Daten zur Verfügung stellten, haben zu Jahresbeginn 2025 deutlich stärker an der Beitragsschraube gedreht als je zuvor. In der Beispielrechnung für Angestellte stieg der Beitrag im Schnitt um 10,6 Prozent – nach 4,8 Prozent im Vorjahr die kräftigste Anpassung im gesamten 25-Jahres-Vergleich (siehe Grafik).

Die Spanne ist laut Klages immens: "Zwei Versicherer verzichteten bei Angestellten auf Anpassungen, andere erhöhten um bis zu 20 Prozent." Bei Beamten kletterten die Beiträge durchschnittlich um 7,8 Prozent (Vorjahr: 5,9 Prozent), mit einer Bandbreite von 2,0 bis 31,2 Prozent. Ein anderes Bild zeigt sich in der stationären Zusatzversicherung: Über 25 Jahre stiegen die Beiträge im Schnitt nur jeweils um 0,01 Prozent. Zum Jahresauftakt 2025 sanken sie sogar um durchschnittlich 1,8 Prozent.
Kostentreiber Systemversagen
Deutschland gehört zu den Ländern mit den höchsten Arzneimittelausgaben pro Kopf. In den vergangenen fünf Jahren sind die Leistungsausgaben der Branche um 30 Prozent auf 39,8 Milliarden Euro gestiegen. "Hersteller nutzen ihre Marktmacht oft aus – Krebsmedikamente kommen zu Preisen auf den Markt, die jeden Patienten über Hunderttausend Euro im Jahr kosten", kritisiert FuB-Geschäftsführer Michael Franke, Herausgeber des Map-Reports.
Er spricht in diesem Zusammenhang von Systemversagen. "Seit Jahren wird auch über manipulierte Diagnosen, mehrfach abgerechnete Leistungen und nie erbrachte Personalstunden berichtet", beklagt Franke. Der Schaden gehe in die Milliarden – Geld, das in der Versorgung fehlt und die Beiträge hochtreibt.
Ausblick: PKV-Branche unter Druck
Die privaten Krankenversicherer stehen vor erheblichen Herausforderungen. Die Bilanzen sind zwar intakt, doch psychische Erkrankungen, Krebs, Diabetes, Allergien und Herzleiden sind weiter auf dem Vormarsch, verstärkt durch den ungesunden Lebensstil vieler Menschen, der oft bereits im Kindesalter beginnt. Das dürfte die Gesundheitskosten weiter nach oben treiben. "Sie entwickeln sich zum erheblichen Risiko für die Beitragsstabilität", so Klages. Die Versicherer müssten ihre Ausgaben wirksam kontrollieren und zugleich ein hochwertiges Leistungsniveau sichern.
Das ist leichter gesagt als getan, denn die Versicherer besitzen im Vertragsverhältnis von Privatpatienten und Ärzten kein Verhandlungsmandat. Und auch Patienten reizten das Leistungsangebot der PKV oft über Gebühr aus. Ehrliche Ärzte, Versicherungsnehmer und Versicherer müssten dies mit steigenden Beiträgen mittragen. Für Vermittler und Kunden bleibe der PKV-Markt ohnehin schwer durchschaubar. (dpo)
Das "Rating Private Krankenversicherung" ist als Map-Report 942 im PDF-Format lieferbar – über map-report@franke-bornberg.de oder direkt auf der Website (externer Link). Der Report kostet ab 589 Euro inklusive Mehrwertsteuer.















