Die Beitragseinnahmen in der privaten Krankenversicherung (PKV) steigen nur wenig, in der Vollversicherung schrumpfen zudem Bestände das achte Jahr in Folge. Die Aussicht auf Neugeschäft bleibt schlecht. Zu diesem ernüchternden Fazit kommt die Assekurata Assekuranz Rating-Agentur, die erstmals eine Frühjahrsumfrage zur Markteinschätzung der PKV unter 19 Anbietern gestartet hat, von denen elf geantwortet haben.

Wie aus dem "Marktausblick zur privaten Krankenversicherung", der am Mittwoch (27. Mai) auf einer Webinar-Pressekonferenz vorgestellt wurde, weiter hervorgeht, konnte der Nettobestandsverlust im Neugeschäft der Vollversicherung trotz weiterhin schwierigen Marktumfelds von 0,2 auf 0,1 Prozent reduziert werden. In absoluten Zahlen ausgedrückt verlor die Vollversicherung 2019 im Bestand 6.300 Kunden. Diese Negativserie hält bereits seit 2012 ununterbrochen an.

Berater kämpfen mit Unsicherheit potenzieller Neukunden
"Berater kämpfen mit einer hohen Verunsicherung auf Seiten potenzieller Neukunden und nehmen häufig Abstand vom Verkauf", erläutert Gerhard Reichl, Fachkoordinator Krankenversicherung bei Assekurata. Schuld daran sei vor allem die alljährliche Anhebung der Versicherungspflichtgrenze auf inzwischen 62.550 Euro Jahresbrutto, ab der überhaupt erst von der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) in die PKV gewechselt werden dürfe. Sie begrenze das Neugeschäftspotenzial und wirke wie eine "Bürgerversicherung durch die Hintertür". Ab 2020 rechnet Assekurata durch die Corona-Folgen wie Firmenpleiten und steigende Arbeitslosigkeit mit höheren Abgängen aus der PKV-Vollversicherung zur GKV.

Im Neugeschäft 2019 blieb der Bruttozuwachs in der Vollversicherung mit 3,3 Prozent unverändert und seit 2014 nahezu konstant. Anders beim Nettozuwachs: Der fiel nur auf besagte 0,1 Prozent, weil das Beihilfegeschäft nach ersten Erkenntnissen von 0,9 Prozent 2018 auf 1,5 Prozent 2019 anwuchs und damit das Geschäft rettete. Die Verluste im Nicht-Beihilfesegment, dem sogenannten Normalgeschäft, stiegen jedoch auf 1,6 Prozent nach 1,3 Prozent 2018. "Dies unterstreicht den langjährigen Trend, wonach Beihilfeberechtigte bereits seit 2014 mit rund 55 Prozent den Großteil des jährlichen Neuzugangs aus der GKV ausmachen; seit 2018 sind sie auch im Bestand in der Überzahl", so Reichl.

Zielgruppe Beamte ist anspruchsvoll
Die Zielgruppe der Beamten rückt laut Assekurata in den Fokus der Vermittler für die Vollversicherung. Dazu seien jedoch Know-how und Zugangswege im Beihilferecht erforderlich. Offen sind für Reichl noch die Auswirkungen auf das PKV-Neugeschäft durch Ausweitung des Hamburger Modells, das inzwischen auch in den Ländern Berlin, Brandenburg und Bremen angewendet werden darf. Es erlaubt Beamten, ein pauschales Beihilfemodell für die Krankenversicherung zu wählen, das auch bei freiwilliger Mitgliedschaft in der GKV Beihilfen gewährt.

Wie schon 2019 attestiert Assekurata der Branche relativ moderate Beitragsanpassungen auch zu Jahresbeginn 2020. So erhöhten die Unternehmen die Beiträge bei Beihilfetarifen zuletzt im Schnitt um 2,4 Prozent, während es bei Normaltarifen um 3,7 Prozent nach oben ging. Im Vorjahr lagen die Steigerungen im Beihilfesegment bei 1,6 Prozent und im Normaltarifbereich bei 2,6 Prozent (FONDS professionell ONLINE berichtete). Allerdings mussten Nicht-Beihilfeberechtigte bei ihrer Pflegepflichtversicherung satte 30 Prozent Beitragsanhebung nach zuletzt bereits 27,7 Prozent 2019 hinnehmen. "Das relativiert die moderaten Erhöhungen in der Vollversicherung", urteilt Reichl.

Kapitalanlage und Kostenentwicklung kaum abzuschätzen
Dabei kann sich die Branche 2019 auf ein um knapp 1,1 Milliarden Euro verbessertes Kapitalanlageergebnis stützen. Damit stieg die Nettoverzinsung um 0,3 Prozentpunkte auf 3,3 Prozent und glich den Rückgang der versicherungsgeschäftlichen Ergebnisquote um 1,4 Prozentpunkte mehr als aus. In der Summe verbesserte sich das Rohergebnis nach Steuern um 800 Millionen Euro auf knapp 5,9 Milliarden Euro. "Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie dürfte die Kapitalanlage 2020 allerdings das Rohergebnis der Unternehmen deutlich nach unten ziehen", fürchtet Assekurata-Geschäftsführer Reiner Will.

Immerhin sei die Kostenentwicklung relativ stabil. Sinkende Abschlusskosten und eine günstige Schadenentwicklung hatten 2012 bis 2014 zu hohen versicherungsgeschäftlichen Ergebnissen geführt. Zudem machte sich die Beitragsanpassung 2017 positiv bemerkbar. Dennoch ist das versicherungsgeschäftliche Ergebnis 2019 rückläufig. Zum Rohergebnis kann die Kapitalanlage immer weniger beitragen, zuletzt nur noch zu 1,9 Prozent (2000: 11,4 Prozent).

Dabei liegt die Betriebskostenquote der Branche seit 2013 nahezu unverändert bei 12,83 Prozent. Während die Ausgaben für Versicherte seit 2017 ganz leicht auf eine Schadenregulierungskostenquote von 3,95 Prozent stiegen, sank die Verwaltungskostenquote leicht auf 2,25 Prozent. Die Abschlusskostenquote stieg 2019 leicht auf 6,63 Prozent und damit auf den höchsten Wert seit 2013. Die Auswirkungen des Provisionsdeckels 2012 auf maximal neun Monatsbeiträge als PKV-Abschlussvergütung lassen sich in dieser Statistik nicht nachweisen.

Leicht positiver Marktausblick
Insgesamt beurteilen die PKV-Anbieter den Markt aktuell und künftig leicht positiv, was im Wesentlichen an der Zusatzversicherung liegt. Hier verbuchte die Branche 2019 nach Verträgen insgesamt ein Plus von 2,1 Prozent. Die leichte Verbesserung gegenüber dem Vorjahr (+ 2,0 Prozent) ist laut Assekurata vor allem auf die Entwicklung in der betrieblichen Krankenversicherung (bKV) zurückzuführen, die branchenweit um 16,6 Prozent zulegen konnte. Ohne die bKV hätte die Zuwachsrate bei den Zusatzpolicen 2019 wie schon 2018 nur bei jeweils 1,7 Prozent gelegen. Verkaufsschlager bleibt aber die Zahnzusatzversicherung, die seit 2005 um acht Millionen Stück zulegte und nun 16 Millionen Verträge im Bestand hat.

Assekurata bewertet zahlreiche Anbieter in einzeln ausgewiesenen PKV-Ratings. Derzeit weisen acht Anbieter mindestens die Note A+ (sehr gut) aus. Neun weitere Anbieter haben ihr Ratingergebnis nicht zur Veröffentlichung freigegeben. Für einen vollständigen Vergleich der Branche bei Bilanzkennkennzahlen, Dienstleistungsqualität (Service, Beratung und Betreuung) und Beitragsentwicklung gibt es Marktüberblicke in anderen Ratings, etwa vom Map-Report (FONDS professionell ONLINE berichtete). (dpo)