Die Vereinigung zum Schutz für Anlage- und Versicherungsvermittler (VSAV) lässt nicht locker. Nachdem sie bei der Finanzaufsicht Bafin mit der Forderung abblitzte, diese möge doch endlich die Versicherer nennen, die einer Studie der Behörde zufolge Schwierigkeiten bei der Erfüllung ihrer Eigenkapitalquote gemäß Solvency II hatten, versucht die VSAV es nun beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). In einem offenen Brief an den GDV fordert der Beraterverband, dass die Versicherungswirtschaft eine "Liste erstellt, der sich positiv entnehmen lässt, welche Versicherungsgesellschaften die Solvency II-Richtlinien einhalten".

Eine anwaltlich erstellte Begründung liefert der VSAV direkt mit. Die Rechtsanwalts-Kanzlei Blanke Meier Evers sei in einer Prüfung zu folgendem Ergebnis gekommen: Für Makler bestehe ein Haftungsrisiko, wenn sie einem Kunden eine Police vermitteln, der "Versicherer die Versicherungsleistung aber nicht erbringen kann" und "Anhaltspunkte für diese fehlende Leistungsfähigkeit für den Vermittler bestanden hätten".

Die Vorstöße und die sich darin spiegelnde Besorgnis der VSAV beruhen auf jüngsten Berichten der Bafin zu der Kapitalausstattung der Versicherer, gemessen an der sogenannten "Solvency Capital Requirements" oder SCR-Quote. Diese entspricht dem "Value-at-Risk der Basis-Eigenmittel zu einem Konfidenzniveau von 99,5 Prozent über ein Jahr". Vereinfacht ausgedrückt besagt sie, dass ein Versicherer, der über anrechnungsfähige Eigenmittel in Höhe der Solvabilitätskapitalanforderungen verfügt, mit einer Wahrscheinlichkeit von wenigstens 99,5 Prozent in der Lage sein muss, Verluste auszugleichen, die innerhalb des nächsten Jahres eintreten. Ist die Quote höher, sind entsprechend auch die nötigen Eigenmittel der Gesellschaft höher, und sie kann mögliche Verluste besser wegstecken.

Einige Versicherer mit Problemen
Diese SCR-Anforderungen hatten zu Jahresbeginn aber drei der 186 berichtspflichtigen Schaden- und Unfallversicherern nicht erfüllen können. Zum 30. Juni war nur noch eine Gesellschaft übrig geblieben.

Bei den Lebensversicherern hatten zwar alle die Anforderungen erfüllen können, allerdings brach die durchschnittliche SCR-Quote der 84 Lebensversicherer in den ersten drei Monaten des Jahres von 283 auf 209 Prozent ein. Eine Gesellschaft musste sogar eine kurzfristige Stärkung der Eigenkapitalbasis vornehmen, um die Quote wieder zu erreichen. Zwei Unternehmen wiesen Ende März eine SCR-Unterdeckung auf, können sich dabei aber auf eine Sonderregelung berufen.

Kein Wunder, dass Vermittler von Lebenspolicen die Namen dieser Gesellschaften in Erfahrung bringen oder zumindest Angaben zu der SCR-Quote jedes einzelnen Versicherers erhalten möchten. (jb)