Die durchschnittlichen Beitragsanpassungen in der privaten Krankenvollversicherung (PKV) steigen weiter an. Im Schnitt liegt die Anpassung bei 4,88 Prozent und damit deutlich über dem Vorjahreswert von 3,54 Prozent, zeigt das Rating "PKV-Beitragsstabilität" 2026 des Analysehauses Morgen & Morgen (M&M). "Der Anstieg fällt fast doppelt so stark aus wie in den beiden Vorjahren und erreicht wieder ein Niveau, das zuletzt vor Einführung der Unisex-Tarife im Jahr 2012 zu beobachten war – damals rund 4,7 Prozent", sagt M&M-Ratingspezialistin und Aktuarin Iris Portugall. 

Anfang der 2020er-Jahre gab es allerdings niedrigere Steigerungsraten bei der Beitragsanpassung (BAP), etwa 2022 mit 2,07 Prozent – siehe Grafik unten. Verglichen mit den noch knapp fünf Prozent Steigerung pro Jahr bei den Bisex-Tarifen im Jahr 2012 hatte die ebenfalls 2012 eingeführte Unisex-Tarifgeneration zunächst zu einer gewissen Entlastung geführt. "Mit zunehmendem Alter dieser Tarife zeigt sich nun jedoch ein erwartbarer Anstieg der BAP", erklärt Portugall.

Quelle: Morgen & Morgen

Zu den Hauptursachen zählt die Ratingspezialistin weiter steigende Behandlungskosten infolge des medizinischen Fortschritts, allgemeine Kostensteigerungen im Gesundheitswesen, die Alterung der Versichertenbestände durch die steigende Lebenserwartung sowie die Inflation.

Im Rating werden Neugeschäftsbeiträge und Beitragsanpassungen der PKV-Tarife von Eintrittsaltern zwischen 21 und 50 Jahren marktweit analysiert und zu einer Bewertung pro Tarifkombination aggregiert. Nur Tarife, die bereits seit mindestens fünf Jahren auf dem Markt sind, finden Berücksichtigung. Verglichen werden auch Tarifkombinationen verschiedener Berufsgruppen.

Aktuell wurden 1.130 Tarifkombinationen bewertet (Vorjahr: 1.118). Um den aktuellen Marktgegebenheiten mit deutlich höheren BAP zu entsprechen, wurden die Benchmarks 2026 um 1,25 Prozentpunkte angehoben (2025: +0,5 Prozentpunkte). Als Orientierung dafür dient der Verlauf der durchschnittlichen BAP. "Die insgesamt steigende Tendenz der Beiträge im Neugeschäft lässt sich mit den alternden Beständen der Unisex-Tarifgeneration begründen", so Portugall.

Ursachen für Abnahme beitragsstabiler Tarife
Ergebnis: Tarife mit ausgezeichneter oder sehr guter Beitragsstabilität (Fünf- bzw. Vier-Sterne-Tarife) gibt es nur noch 322 (2025: 369). Es gibt eine deutliche Verschiebung in der Sterneverteilung nach unten. Der Anteil der Drei-Sterne-Tarife (durchschnittliche Beitragsstabilität) fiel auf 314 (2025: 359). Dagegen stieg der Anteil von Zwei-Sterne-Tarifen (schwache Beitragsstabilität) um 36 Prozent und damit aktuell am stärksten an (321). Die Ein-Stern-Bewertungen (sehr schwach) stiegen um zwölf Prozent auf 173. Detaillierte Ergebnisse gibt es hier (externer Link).

Die Wahl einer privaten Krankenvollversicherung ist eine langfristige Entscheidung. Das Rating "PKV-Beitragsstabilität" schaffe hierfür eine unabhängige und nachvollziehbare Entscheidungsgrundlage, heißt es bei M&M. Die Betonung liegt wohl auf "eine", denn es bewertet nicht die Leistungen der Tarife und auch nicht deren Beitragshöhe, sondern die Entwicklung der Beiträge. Um die passende Tarifauswahl zu recherchieren, braucht es also mehr Informationen für Vermittler. Ohne PKV-Ratings, die auch Bilanzen, Service und Verträge analysieren, kommen Berater nicht aus.

Ratings verdecken zum Teil Anbieter-Schwächen
Premium Circle Deutschland, ein Beratungsunternehmen für die Gesundheits- und Versicherungswirtschaft, kritisiert dennoch die Leistungsqualität in der PKV-Vollversicherung. Selbst unter den jeweiligen PKV-Top-Tarifen gebe es ein immenses Leistungsgefälle mit teilweise existenziellen Leistungslücken. Darüber hinaus habe bis heute kein einziger PKV-Tarif als Basis die GKV-Leistungen (nach SGB V), vor allem nicht der PKV-Basistarif, dessen Beiträge ebenfalls steigen.

Gleichwohl baut die PKV – anders als die umlagefinanzierte GKV – mit inzwischen 355 Milliarden Euro schweren Alterungsrückstellungen als Teil des Beitrags gegen überproportional steigende Beiträge im Alter vor. Entlastung bringt auch die Nutzung von Reserven aus den Rückstellungen für Beitragsrückerstattung (RfB).

Im "PKV-Marktausblick 2024/2025" der Ratingagentur Assekurata verwies Assekurata-PKV-Fachkoordinator Alexander Kraus allerdings auf große Unterschiede innerhalb der PKV-Branche. Wie der "Marktausblick 2025/2026" von Assekurata nun bestätigt, "zeigt die RfB-Quote mit 27,6 Prozent weiter abnehmende Tendenz, nachdem sie 2025 noch bei 33,5 Prozent gelegen hatte", so Kraus. Einige Anbieter seien ausgezeichnet aufgestellt und könnten stabile Beiträge anbieten, andere weniger. (dpo)