Das Analysehaus Franke und Bornberg hat diese Woche erstmals ein Rating zu privaten Pflegerentenpolicen der Lebensversicherer vorgelegt. Hintergrund: Aktuell beziehen rund 4,57 Millionen Menschen Leistungen aus der Pflegepflichtversicherung. Schon 2030 werden es Prognosen zufolge 5,1 Millionen sein. Doch die soziale Pflegeversicherung ist nur als Grundversorgung konzipiert.

Trotz des unbestrittenen Bedarfes leisteten sich nur drei von 1.000 Menschen aktuell eine Pflegerentenversicherung. Mit rund 244.000 Verträgen im Bestand (Ende 2020) schöpft die Branche ihr Potenzial bei weitem nicht aus. Nur sechs Lebensversicherer teilen sich den vergleichsweise kleinen Markt: Allianz, Ideal, Swiss Life, Volkswohl Bund, WWK und Zurich Deutscher Herold. "Lebensversicherer müssen aufpassen, diesen wichtigen Zukunftsmarkt nicht zu verpassen", sagt Michael Franke, geschäftsführender Gesellschafter von Franke und Bornberg. Das Rating liefere dazu wichtige Impulse.

Kaum Anbieter, inhaltlich Luft nach oben
Dafür haben die Analysten 33 Pflegerenten-Tarife mit 246 Tarifvarianten untersucht. Grundlage bildet ein Katalog aus 49 Prüfkriterien. Die meisten Tarife landen aktuell im Mittelfeld. Eine gute Note erreichen aktuell nur die Tarifvarianten der Swiss Life Deutschland, heißt es. Erstklassige Noten fehlen ebenso wie ungenügende Bewertungen.

Das Gesamtergebnis hält Franke für zufriedenstellend, sieht aber noch Luft nach oben. Es zeige sich ein vertrautes Phänomen: "Bei Erst-Ratings vergeben wir nur selten Top-Noten, denn aus eigenem Antrieb entwickeln Versicherer selten Topleistungen", erklärt Franke.

Erst Rating-Kriterien schafften das Bewusstsein, auf welche Leistungen es wirklich ankommt – und die Nachfrage nach Top-Qualität. Für die Zukunft ist er optimistisch. "Als kapitalgedeckte Pflegevorsorge verfügt die Pflegerente über einen deutlichen Wettbewerbsvorteil: Sie bietet lebenslangen Schutz zu stabilen Beiträgen." Trotzdem friste sie noch immer ein Schattendasein.

Marktbeobachtung auch bei anderen Playern
Der Einstieg von Franke und Bornberg ist nicht mit dem Beginn von Pflegerenten-Ratings generell zu verwechseln. Im Vorjahr hatte es eine Untersuchung des Instituts für Finanzmarkt-Analyse (Infinma) zu Marktstandards in der Pflegerente gegeben. Herausgearbeitet hat Infinma 18 Bewertungskriterien, aus denen ausdrücklich kein Rating erstellt wurde, da man auf dem Standpunkt steht, dass sich die einzelnen Bedingungsbestandteile nicht gegeneinander aufrechnen lassen.

Erhoben wurden alle zu einem Qualitätskriterium am Markt tatsächlich zu beobachtenden Tarif-Ausprägungen. "Die Ausprägung, die von den Anbietern in ihren Produkten am häufigsten verwendet wird, definiert den jeweiligen Marktstandard im Sinne eines Branchendurchschnitts", erklärt Infinma-Geschäftsführer Marc Glissmann. (Eine Übersicht der zertifizierten Tarife im PDF-Format gibt es unter diesem externen Link.)

Rating kommt bei immer weniger Anbietern an die Sinn-Grenze
Das Problem: Waren es 2015 noch 20 Gesellschaften mit 61 Tarifen, die in der Infinma-Untersuchung zu den Marktstandards berücksichtigt werden konnten, sind es 2020 bei den Marktstandards zur Pflegerente nur noch neun Gesellschaften mit 39 Tarifen gewesen. "Wobei zwei Lebensversicherer zugleich auch Produktgeber für vier weitere Absicherungsmodelle sind", kommentierte Glissmann den Schrumpfungsprozess. Daher hat sich beispielsweise das Institut für Vorsorge und Finanzplanung aus seinem jährlichen Rating von Pflegerenten zurückgezogen.

Bert Heidekamp, Deutschlands einziger geprüfter und international zertifizierter Sachverständiger (DIN EN ISO/IEC 17024) für BU-, Unfall- und Pflegeversicherungen, hat mehrfach Pflegerentenpolicen nach 83 Schwerpunktfragen mit mehr als 900 Qualitätsmerkmalen überprüft, zuletzt 2020. Ergebnis seines Ratings: Die Ideal Versicherung ist sowohl bei Pflegerenten gegen Einmalbeitrag als auch gegen laufenden Beitrag mit je 63 Prozent Erfüllungsgrad bei den Schwerpunktfragen Testsieger. "Die weiteren Anbieter eines überschaubaren Marktes sind weit abgeschlagen", so Heidekamp. (dpo)