Das Analysehaus Franke und Bornberg hat sein erstes Rating für Risiko-Lebensversicherungen vorgelegt. Dabei wurden 268 Rententarife von 60 Anbietern in neun Hauptkriterien mit 36 Detailkriterien untersucht. Als Quellen dienen ausschließlich die Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) sowie verbindliche Verbraucherinformationen, Antragsformulare, der Versicherungsschein und Geschäftsberichte. "Geschäftsplanmäßige oder sonstige Erklärungen/Auslegungen der Versicherer, Selbstauskünfte sowie werbliche Veröffentlichungen werden nicht berücksichtigt", betont Michael Franke, Mitgründer und Geschäftsführer des Analysehauses.

Nur die folgenden zehn Tarife von sieben Gesellschaften erreichen die Top-Bewertung (hervorragend):

  • Basler: Risikoversicherung Premium
  • Bayern-Versicherung: Risikoleben Plus und Risikoleben Premium
  • Feuersozietät: Risikoleben Plus und Risikoleben Premium
  • Huk-Coburg: RLV Premium
  • Huk24: RLV Premium
  • Saarland Lebensversicherung: Risikoleben Plus und Risikoleben Premium
  • Versicherer im Raum der Kirchen: RLV Premium

Hinzu kommt laut Franke noch die Delta Direkt, deren Tarif "1, 2, 3 und 4" jedoch nur in Verbindung mit dem Baustein Immobilienabsicherung die Höchstnote erhält.   

Älteste Versicherung zu Unrecht in Vergessenheit
Zur Erinnerung: Eine Zahlung bei Tod – mit diesem Leistungsversprechen zählen Risiko-Lebensversicherungen (RLV) zu den ältesten Versicherungen überhaupt. Sie geben Hinterbliebenen finanzielle Sicherheit, schützen Gläubiger vor Zahlungsausfall und sichern Geschäftspartner gegenseitig ab. Als Zielgruppe gelten Personen im Alter von 18 bis 65 Jahren. In Deutschland sind das mehr als 51 Millionen Menschen. 

Dennoch gab es 2019 hierzulande nur 7,6 Millionen RLV-Verträge. Damit sorgt rein rechnerisch nur jeder Siebte mit einer RLV vor. In den letzten 20 Jahren sank die Zahl der Neuabschlüsse sogar kontinuierlich auf nur noch 474.503 Verträge 2019. "Das Potenzial ist groß, wird aber zu wenig ausgeschöpft", bedauert Franke. Damit bleibe die RLV deutlich hinter ihren Möglichkeiten zurück. Das neue Rating will zu einer Änderung beitragen.

Qualität statt Preis
"Bislang ging es bei der Risiko-Lebensversicherung vor allem um den Preis", skizziert Franke die Ausgangssituation. Prämienlisten, aufsteigend sortiert, dienten als Entscheidungshilfen. Doch der Vertrag sollte in allen Lebensphasen funktionieren, also außer für den Todesfall auch in anderen Wechselfällen des Lebens. "Unser Rating geht daher weiter und stellt die Produktqualität in den Vordergrund", so Franke.

Der Preis sei zwar nicht unwichtig, spielt aber im Rating keine Rolle, denn er hängt heute von vielen Faktoren ab und sei nicht pauschal zu bewerten. Die individuelle Konstellation gehe auf Alter, Beruf, biometrischen Daten, Laufzeit und Annahmerichtlinien der Gesellschaften zurück. Zudem habe die Überschussdeklaration erheblichen Einfluss auf den Zahlbeitrag. "Berater sollten bei qualitativ hochwertigen Angeboten einen individuellen Preisvergleich anstellen", rät Franke.

Die meisten Versicherer haben zwei oder drei Produkte im Angebot, in der Regel als Basis-, Komfort- und Premiumvariante etikettiert, hat Franke beobachtet. Basistarife bieten Todesfallschutz zum günstigen Preis, aber keinerlei Extras. "Nützliche Features wie Nachversicherungsgarantie oder zusätzliche Leistungsauslöser finden wir erst bei Komforttarifen", so Franke. Mit 146 Tarifen ist die Note "gut" am häufigsten vertreten.

Lieblose Kopie der BU-Bedingungen?
Beim Leistungsniveau sieht Franke branchenweit noch Luft nach oben. Bislang friste die RLV bei Biometrieversicherern oft ein Dasein im Schatten der BU-Produkte. "So manches Bedingungswerk scheint eine Kopie der jeweiligen BU-Bedingungen zu sein, etwa bei Anzeigepflichtverletzung, Leistungsauslösern der Nachversicherungsgarantie oder Regelungen bei Zahlungsschwierigkeiten", moniert Franke. Oft lägen sogar veraltete BU-Bedingungen zugrunde.

Zudem seien RLV-Tarife nicht flexibel genug. Nur wenige Produkte erlaubten Kunden, ihren Versicherungsschutz über das ursprünglich vereinbarte Endalter hinaus zu verlängern. Das sei aber vor allem bei Anschlussfinanzierungen wichtig. "Bislang haben ältere Versicherte kaum Chancen, nach Vertragsablauf noch mal Versicherungsschutz zu bekommen", kritisiert Franke. Auch Regelungen für eine vorgezogene Todesfallleistung bei einer schweren Erkrankung fehlten oft oder setzten hohe Hürden. Nachversicherungsgarantien unabhängig von einem festgelegten Auslöser sind ebenfalls selten – und fast ausschließlich den Top-Produkten vorbehalten.

Produktentwickler sollten die RLV stärker am Bedarf von Verbrauchern ausrichten, so die Ratingagentur. Flexible Gestaltungen, Bausteinlösungen und kundenorientierte Bedingungen seien die Mittel der Wahl. Die Ratingkriterien böten praxistaugliche Leitplanken für diesen Prozess. Die Detail-Ergebnisse und die Rating-Methodik gibt es auf der Website des Analysehauses (externe Links). Die Übersichten liefern Momentaufnahmen und werden laufend aktualisiert. (dpo)