Das diesjährige Rating "Risikolebensversicherung" des Analysehauses Morgen & Morgen (M&M) zeigt, dass die Tarife sich von ihren Bedingungen her stetig verbessert haben. "Sie sind nun auf einem stabil hohen Niveau angelangt, das sich aber preislich sehr differenziert zeigt", sagt Andreas Ludwig, Bereichsleiter Rating & Analyse.

Als Beispiel für die große Preispanne innerhalb der Spitzentarife (Bewertung mit fünf Sternen) nennt er eine 35-jährige Modellkundin (Mathematikerin, keine außergewöhnlichen Risiken, Nichtraucherin), die einen konstanten Todesfallschutz von 500.000 Euro über eine Laufzeit von 20 Jahren in Anspruch nehmen möchte. Dafür zahlt die Musterkundin je nach Anbietet einen jährlichen Beitrag zwischen unter 240 Euro und etwa 880 Euro. Im Schnitt sind es Ludwig zufolge rund 420 Euro. Preislich günstiger seien Tarife mit fallender Versicherungssumme, etwa, wenn Kinder dem Ausbildungsende näher kommen oder der Immobilienkredit immer mehr getilgt wird.

Höhe des Todesfallschutzes variiert stark
Laut den Point-of-Sale Analysen von M&M variiert die Höhe des Todesfallschutzes stark, verteilt sich aber relativ gleichmäßig auf den Bereich von 50.000 Euro bis 500.000 Euro Versicherungssumme. Policen werden hauptsächlich von Personen im Alter von 30 bis 40 Jahren nachgefragt.

Ludwig äußerte sich auch zur Marktlage im Hinblick auf die Anpassung des Höchstrechnungszinses, der im Neugeschäft ab 1. Januar 2022 von 0,9 Prozent auf 0,25 Prozent fällt. Grund dafür ist die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Seit März 2016 wurde der Zins mehr oder weniger abgeschafft. Die Folge dürften leicht steigende Beiträge im Neugeschäft sein. Ein Abschluss komme bei Bedarf daher im Jahr 2021 wahrscheinlich noch günstiger. Ludwig schätzt, dass sich bei Abschlüssen im neuen Jahr "vermutlich der Bruttobeitrag um mehrere Prozentpunkte erhöhen, der Nettobeitrag jedoch nur marginal steigen wird".

Auch 2022 noch gute Preis-Argumente 
Zum Hintergrund: Bei vergangenen Senkungen des Rechnungszinses hatten die meisten Versicherer die Überschüsse sogar leicht erhöht. Dies lag laut Ludwig insbesondere daran, dass sie mit dem bisherigen Zahlbeitrag ausgekommen sind und der Großteil der Überschüsse nicht aus den Zins-, sondern aus den Risikoüberschüssen kam. Das bedeutet, dass weniger Todesfälle eingetreten sind als prognostiziert. Wenn Kunden also erst 2022 den Abschluss einer Risikolebensversicherung wünschen, haben Berater nicht zwangsläufig schlechtere Preis-Argumente als jetzt.

Allerdings: "Immer wieder brechen neue, recht unbekannte Gesellschaften mit Kampfangeboten in den deutschen Markt ein", hat Finanzsachverständiger Yan C. Steinschen beobachtet. "Wer tatsächlich dort einen Antrag stellt, muss feststellen, dass die Annahmerichtlinien von überirdisch Gesunden ausgehen", schreibt das Gründungsmitglied des Finanzplaner Deutschland Bundesverbandes im soeben erschienenen Versicherungsjournal-Extrablatt "Risiko-Leben". Ausnahme sei die Dela Lebensversicherungen N.V.

100 Tarife mit Bestnote
Am wichtigsten sind ohnehin die Bedingungen. Im Rating-Ergebnis zeigt sich der Markt laut M&M "sehr gut aufgestellt". Von jetzt 145 bewerteten Tarifen erreichten 100 Tarife die Bestbewertung von fünf Sternen, gefolgt von 24 Vier-Sterne-Tarifen. 20 Tarife zeigen sich durchschnittlich und nur ein Tarif ist schwach bewertet (Tarif "17850/17851" der Bayerischen). Sehr schwache Tarife sind nicht anzutreffen. "Im Vergleich zum Vorjahr zeigt sich damit ein Ruck nach oben im gesamten Rating", so Ludwig. Auf der Homepage gibt es das komplette Rating und die Rating-Methodik (externe Links).

Vor einem Jahr hatte das Analysehaus Franke und Bornberg bei seinem ersten Rating zur Risikolebensversicherung nur zehn Tarifen die Höchstnote zuerkannt. Geschäftsführer Michael Franke sieht fürs Neugeschäft 2022 deutlich steigende Beiträge bei einigen Anbietern. "Der Spread zwischen Brutto- und Nettobeitrag beträgt im Durchschnitt 64 Prozent, die Bandbreite reicht von zehn bis 150 Prozent", schreibt er im Extrablatt "Risiko-Leben". Je größer der Spread, desto höher das Risiko steigender Zahlbeträge, weiß Franke. Darauf sollten Makler in der Beratung dringend hinweisen.

Rating auch zum Sterbegeld
Zusätzlich legte M&M jetzt das neue Sterbegeld-Rating vor, das 2020 erstmals aufbereitet worden war (externer Link). Ergebnis: Von nun 98 Tarifen (2020: 105) schafften 31 Tarife eine Fünf- und 47 Tarife eine Vier-Sterne-Bewertung. Im Mittelfeld liegen 19 Tarife mit einer durchschnittlichen Note. Nur ein Tarif ist schwach bewertet (GE-BE-IN Sterbegeldversicherung Bremen; Tarif "C03 mit Gesundheitsprüfung ohne Wartezeit"), sehr schwache Tarife gibt es nicht.

Vor allem bei der Assistance, den noch zu langen Wartezeiten bis zum Beginn des Versicherungsschutzes, Überbrückungsoptionen bei Zahlungsschwierigkeiten oder den Reduzierungsmöglichkeiten des Versicherungsschutzes sieht M&M-Analyst Ludwig noch Luft nach oben. (dpo)