Drehstart ist vor den Toren der Gothaer Versicherung in Köln. Tatsächlich laufen derzeit keine Dreharbeiten. Doch um für das Treffen mit FONDS professionell einen möglichst lebensechten Blick hinter die Kulissen der RTL-Sendung "Die Versicherungsdetektive" zu bieten, hat Timo Heitmann heute Andreas Sieg und Tonassistent Johannes Frenke von der 24 25 TV & Medienproduktion mitgebracht. Sie oder ihre Kollegen sind bei seinen Einsätzen für RTL immer dabei. 

"Und bitte!", ruft Andreas. Timo Heitmann setzt sich in Richtung Kamera in Bewegung. Und weil er heute keinen echten Text hat, erzählt er einfach mal, wie er vom unbekannten Schadenregulierer bei der Gothaer zum prominenten RTL-Versicherungsdetektiv wurde. "Es muss so 2008 gewesen sein, als RTL die Idee hatte, für das Format '30 Minuten Deutschland' einen Schadenregulierer bei der Arbeit zu begleiten", berichtet er. Außer der Huk Coburg wurde auch die Gothaer angefragt, ein Kollege von Heitmann war dabei.

"Versicherungsdetektiv" seit 2011
Weil das Thema auf großes Interesse stieß, war schon bald die Idee für eine komplette Serie geboren – und dafür mussten viele Fälle her. So suchten auch Heitmann und ein weiterer Kollege nach Schadensmeldungen, die ihnen dubios vorkamen. Sie durften ebenfalls vor die Kamera. Seit 2011 ist Heitmann der alleinige "Versicherungsdetektiv" der Gothaer in der RTL-Sendung. 

"Und danke!" Der erste Shoot des Tages ist im Kasten. In Wirklichkeit geht es nicht immer so schnell. Manchmal müssen Heitmann und sein Team schon ziemlich lange warten, bis die mutmaßlichen Versicherungsbetrüger zum Dreh bereit sind. "Es kommt sogar vor, dass die Leute uns gar nicht die Tür aufmachen", berichtet Heitmann. Dann sind er und das gesamte Produktionsteam umsonst von Köln nach Berlin, Hamburg oder in eine andere Stadt gefahren.

Bundesweit unterwegs
Gedreht wird bundesweit. "Immer da, wo der betreffende Versicherungsnehmer wohnt", sagt Heitmann. Weil er manchmal erst abends um 18 Uhr erfährt, dass er am nächsten Tag um 10 Uhr 500 Kilometer entfernt von Köln einen Termin hat, ist er von öffentlichen Verkehrsmitteln gern unabhängig. In seinem weißen Bulli hat er sich deshalb ein kleines Büro eingerichtet, dort bereitet er sich auf einen Dreh gern noch einmal in Ruhe vor.

"Und bitte!" Heitmann startet den Bus, diesmal dauert die Fahrt nur wenige Minuten. Ziel ist ein Plattenbau im Kölner Stadtteil Zollstock. Nicht, dass hier besonders viele Versicherungsbetrüger aufzuspüren wären, die Standortwahl ist allein der Kulisse geschuldet. Heitmann steigt aus dem Bus, nimmt eine Haustür ins Visier. "So ungefähr läuft das, wenn wir drehen", sagt er. "Und danke!"

Echte Fälle
Wie ist das eigentlich mit den Fällen, die bei den "Versicherungsdetektiven" zu sehen sind? "Alle Fälle sind echt", sagt Heitmann. Wenn klar ist, dass eine neue Staffel gedreht wird, dann wird bei der Gothaer "der ganze Laden informiert", wie Heitmann es ausdrückt. Sachbearbeiter, Schadenregulierer und auch Vermittler können dann Fälle melden, die ihnen komisch vorkommen. Heitmann prüft sie, bespricht sich mit einem Kollegen.

"Und bitte!" Timo Heitmann startet den weißen Bulli und dreht noch eine Runde. Eigentlich gibt es keine besonderen Kriterien für die Auswahl der Fälle. "Wichtig ist, dass wir sie möglichst mit einem Besuch vor Ort erledigen können", erzählt Heitmann. Außerdem muss für jede Staffel ein interessanter Mix zusammengestellt werden.

Berufliche Heimat
Der weiße Bulli stoppt auf dem Parkplatz der Gothaer. Nach den "Außendrehs" wird es jetzt Zeit, die berufliche Heimat des Versicherungsdetektivs kennenzulernen. Vom Haupteingang aus führen Treppen und lange Flure in den Teil der Versicherung, der moderne Großraumbüros mit flexiblen Arbeitsplätzen und einen weiten Blick über Köln bietet. Timo Heitmann hat sich schnell einen Schreibtisch ausgesucht. Meist arbeitet er allerdings im Home Office.

Was bewegt Versicherungskunden überhaupt dazu, einen Betrug zu versuchen? "Dazu hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft vor einigen Jahren eine Studie erstellt", weiß Heitmann. Ein Ergebnis: Rund 25 Prozent der Befragten erklärten, für sie sei Versicherungsbetrug ein Kavaliersdelikt. Nicht schlimm also, es mal zu probieren, das mache doch ohnehin jeder. "Das ist aber falsch", sagt Heitmann. "Versicherungsbetrug ist ein Straftatbestand." 

Es geht nicht um Prominenz
"Und danke!" Andreas Sieg schaltet die Kamera jetzt aus. Es geht zurück über die Flure und Treppen zum Ausgang. Was treibt Heitmann eigentlich an, für RTL unterwegs zu sein? "Ach, da ist ja unser TV-Promi", sagt ein Gothaer-Mitarbeiter im Vorbeigehen. Timo Heitmann mag solche Sprüche nicht besonders, denn es geht ihm nicht um Prominenz. Seine Motivation für die RTL-Serie ist das Bestreben um Fairness. "Es stört mich wirklich, wenn jemand die Versicherung missbraucht", sagt er. 

Geht Heitmann mit Versicherungsbetrügern also auch hart ins Gericht? "Wenn ich das Gefühl habe, dass mich jemand auf den Arm nehmen will oder wenn jemand total uneinsichtig ist, schon", berichtet er. Aber wenn er merkt, dass sich ein Kunde so sehr schämt, dass dies allein Strafe genug ist, dass er sicher keinen zweiten Betrug versuchen wird, dann ist Heitmann meist ganz mild. (am)


Das vollständige Portrait des RTL-Versicherungsdetektivs Timo Heitmann finden Sie in den aktuellen Heftausgabe 4/2019 von FONDS professionell ab Seite 254. Angemeldete KLUB-Mitglieder können den Beitrag auch hier im E-Magazin lesen.