Die kleinen Lebensversicherer in Deutschland kämpfen an vielen Fronten. Ihr Anteil am Neugeschäft stagniert, während die Branchenriesen wachsen. Hinzu kommt, dass die seit Jahren niedrigen Zinsen das Erwirtschaften von auskömmlichen Renditen immer mehr erschweren. Eine schwere Bürde, wenn man ältere Verträge mit hohen Garantiezusagen im Bestand hat.

Kein Wunder, dass Experten zufolge eine wachsende Zahl dieser Gesellschaften darüber nachdenkt, ihre klassischen Lebensbestände an eine fremde Gesellschaft abzugeben, also einen sogenannten externen Run-off planen. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) unter Verweis auf eine vom Verlag ausgerichtete Fachkonferenz. "Wir haben eine Marktsituation, die nach Veränderung und Konsolidierung ruft", zitiert die Zeitung Johannes-Tobias Lorenz vom Beratungsunternehmen McKinsey. 

Run-off schadete Generali nicht
Bislang gibt es aber nur ein paar wenige solcher Übertragungen. Ein Grund, den die Branchenkenner auf der SZ-Fachkonferenz dafür nennen, ist die ablehnende Haltung der Öffentlichkeit gegenüber Run-offs. Die Generali, die vergangenes Jahr ihre deutsche Lebenstochter samt älteren, hochverzinsten Policen mit garantierten Ausschüttungen an den Abwickler Viridium verkaufte, bekam bekanntlich viel Gegenwind.

Das gleiche Beispiel zeige aber auch, dass die Übertragung funktionieren könne. Das Neugeschäft der Generali sei danach nicht eingebrochen. "Das Abendland ist nicht untergegangen", so Lorenz.

"Das Zweitbeste für den Kunden"
Allerdings pflichten die Experten den Kritikern von Run-offs in einem wichtigen Punkt bei, so die SZ: Dass die Kunden bei einer Abwicklungsplattform wie Viridium oder auch der Frankfurter Leben sowie der Athora womöglich schlechter gestellt seien als bei ihrem ursprünglichen Versicherer. 

Die Überschussbeteiligung für Kunden, deren Verträge bei einer Plattform liegen, sinke in der Tat, räumte Analyst Michael Huttner von J.P. Morgan auf der Konferenz ein. "Es ist vielleicht nicht das Beste für den Kunden, aber das Zweitbeste", meint er. Immerhin hätten die Kunden wenigsten die Sicherheit, dass ein Versicherer wegen der aktuellen Probleme nicht in Schieflage gerate und die Leistungen aus den Policen massiv gekürzt werden müssten. (jb)