Versicherungsgesellschaften, die die Altbestände anderer Assekuranzen weiterführen und abwickeln, werden kritisch beäugt. Experten hinterfragen immer wieder aufs Neue, ob die sogenannten "Run-off-Plattformen" oder "Run-off-Versicherer" es schaffen, mit den übernommenen Kapitalanlagen sowie der Optimierung der IT ausreichend Gewinne zu erwirtschaften, um die den Kunden zugesagten Renditen erwirtschaften zu können. Eine aktuelle Studie der Ratingagentur Assekurata hat die Ertragslage der Run-off-Versicherer im Jahr 2019 unter die Lupe genommen. Das Ergebnis ist eindeutig: Die Gesellschaften erwirtschaften Überschüsse – sogar höhere als die übrigen Versicherer. Allerdings basieren diese zu einem Teil auf Sondereffekten, sodass sie keine Aussagen für die Zukunft zulassen. 

Um die oben gestellte Frage nach der Höhe der Rohüberschüsse beantworten zu können, haben die Experten der Assekurata nach eigenen Angaben die Erträge der Run-off-Gesellschaften mit denen der restlichen Lebensversicherungsbranche verglichen. Als Messgröße für den Unternehmensertrag verwendete Assekurata hierbei die "Rohüberschussquote", die die erwirtschafteten Gewinne ins Verhältnis zu den gebuchten Bruttoprämien setzt. 

Rohüberschüse von Abwicklern weit über Branchenschnitt
Während die Run-off-Versicherer in der Vergangenheit bis einschließlich 2016 laut Assekurata im Durchschnitt geringere Erträge als der Lebensversicherungsmarkt erwirtschaftet haben, liegen die ausgewiesenen Überschüsse seit 2017 zum Teil sehr deutlich über den Branchenwerten. 2019 erreichten die Run-off-Gesellschaften im Durchschnitt eine Rohüberschussquote von 33,6 Prozent, während der Markt durchschnittlich knapp zwölf Prozent erwirtschaftete.

Die teilweise sehr hohen Überschüsse der Run-off-Versicherer lassen sich laut Assekurata nicht pauschal begründen. "In einer Detailanalyse stießen wir vielmehr auf einige Sonder- oder Einmaleffekte, wie beispielsweise die Auflösung einer Steuerrückstellung, oder die außerordentliche Realisierung von stillen Reserven in der Kapitalanlage, die zumindest teilweise die sehr hohen Überschüsse erklären", sagt Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei Assekurata. Vor diesem Hintergrund "gestalten sich belastbare Aussage für die zukünftige Entwicklung der Ertragslage als schwierig", so das Fazit.  (jb)


Zum Markt: Die in die Abwicklung gegebenen Versicherungen sind auf drei Plattformen verteilt worden. Die Viridium-Gruppe betreut nun die Policen der Skandia Lebensversicherung, Heidelberger Lebensversicherung, Entis Lebensversicherung (ehemaliger Bestand der Protektor Lebensversicherungs) und der Generali Lebensversicherung. Die Frankfurter-Leben-Gruppe hat Kunden und Verträge der ehemaligen Basler Leben Deutschland und der Arag Laben übernommen. Die Athora-Gruppe ihrerseits führt die ehemalige Delta Lloyd Lebensversicherung weiter. In Summe verwalten diese Gesellschaften 3,9 Milliarden an Prämienvolumen, was einem Marktanteil von rund vier Prozent entspricht.