Sämtliche Lebensversicherer haben ihre Standmitteilungen mittlerweile überarbeitet und die seit Juli 2018 geltenden Gesetzesvorschriften weitgehend umgesetzt. Die Darstellungen des Rückkaufswertes und der Bewertungsreserven haben sich damit deutlich verbessert. Einige Kritikpunkte bleiben aber, vor allem in Bezug auf die Informationen zu älteren Verträgen. Daher gibt es nach wie vor Qualitätsunterschiede bei den Mitteilungen. Das geht aus der aktuellen Auflage der Transparenzstudie von Policen Direkt hervor. 

Im Detail erfüllen demnach 66 von 78 Lebensversicherern die gesetzlichen Regelungen gemäß Paragraf 115 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) vollständig. Diese sollen Versicherungsnehmer darüber informieren, wie hoch ihre Überschussbeteiligungen sind und wie viel Geld sie zum Ende der Vertragslaufzeit voraussichtlich erwarten können (FONDS professionell ONLINE berichtete). Heißt im Umkehrschluss: Zwölf Versicherer haben hier also noch Luft nach oben.

Ferner sei positiv anzumerken, dass 64 Versicherer in den Dokumenten nunmehr genau darüber informieren, wie die Kunden an den Überschüssen beteiligt werden. Das schreibt die Mindestzuführungsverordnung (MindZV) unter Paragraf 15 vor. Es gibt drei Quellen: Erstens Gewinne aus Kapitalanlagen, zweitens Risiko- und drittens Kostenüberschüsse. Die MindZV schreibt dabei vor, dass die Erträge aus Kapital- und Risikogewinnen zu 90 Prozent an die Kunden abgeführt werden müssen. Bei Kostenüberschüssen, die durch geringere Aufwendungen bei gleichbleibenden Gebühren entstehen, sind es dagegen nur 50 Prozent.

Kritik: Besitzer älterer Policen tappen im Dunkeln
Negativ ist Policen Direct zufolge aber immer noch, dass Versicherer vor allem bei älteren Policen darauf verzichten, unsichere Überschüsse – etwa die Schlussüberschüsse – im Detail aufzuschlüsseln. Gerade aber bei diesen Verträgen machen derartige Bonuszahlungen entgegen landläufiger Meinung immer noch oft einen beträchtlichen Teil der Werte aus.

"Gerade Kunden mit älteren Verträgen profitieren oft deutlich weniger von der Überarbeitung oder warten in Einzelfällen sogar noch auf die Umsetzung. Aber nur mit vollständigen und verständlichen Informationen können Vorsorgesparer die Entwicklung der Verträge transparent nachvollziehen und damit auch fundierte Entscheidungen treffen", kritisiert Henning Kühl, Chefaktuar von Policen Direkt. (jb)


Zur Methodik der Studie:
Wie wurde bewertet? Im ersten Schritt wurde geprüft, ob die Versicherer alle Vorschriften aus Paragraf 155 VVG und der MindVZ befolgen. Hier waren in Summe bestenfalls 55 Punkte erreichbar. Weiter schaute Policen Direkt, ob die Gesellschaften etwa noch Angaben zu unsicheren Werten in der Ablaufleistung oder zu vorhandenen Zusatzversicherungen und die Auszahlungshöhe im entsprechenden Leistungsfall machen. Gesellschaften konnten in dem Bereich für wichtige optionale Informationen maximal 30 Punkte erzielen. Drittens untersuchte Policen Direkt weitere neun in ihren Augen sinnvolle "Bonus-Angaben", zu denen auch die laufenden Kosten gehören. Für jeden Bonus gab es fünf Punkte, sodass die Versicherer insgesamt mehr als 100 Punkte erzielen konnten.