Die Honorarberatung tritt in Deutschland auf der Stelle, das gilt für die Geldanlage und ebenso für die Vermittlung von Versicherungspolicen. Gerade einmal 326 Versicherungsberater waren per 4. Januar 2021 im Vermittlerregister des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) verzeichnet. Ihnen stehen insgesamt 197.437 gewerbliche Versicherungsvermittler gegenüber, von denen 45.962 freie Versicherungsmakler sind. 

Denkbar wäre, dass sich die Versicherungsvermittlung auf Honorarbasis hierzulande auch deswegen nicht durchsetzt, weil das Angebot an Nettopolicen zu gering ist. Daher haben die beiden Versicherungsprofessoren Matthias Beenken, Fachhochschule Dortmund, und Heinrich Schradin, Universität Köln, in einer gemeinsamen Studie zum dritten Mal die Marktbedeutung von Nettotarifen untersucht.

Über die Hälfte der befragten Versicherer bieten Nettotarife
Das wichtigste Ergebnis: Insgesamt bieten 17 Versicherer oder 52 Prozent der für die Analyse befragten Unternehmen Nettotarife in einer Sparte oder in mehreren an. Auch in der Vorgänger-Untersuchung aus dem Jahr 2016 waren es 17 Unternehmen, aber: "Da die Gesamtstichprobe kleiner ist als in den vorhergehenden Erhebungen, kann dies für einen Anstieg der Anzahl an Anbietern sprechen", schreiben die Studienautoren. Für die aktuelle Erhebung wurden im Februar und März 2021 die in Deutschland tätigen Versicherungsunternehmen befragt. Insgesamt konnten die Antworten von 33 Unternehmen ausgewertet werden. Zusammen repräsentieren sie einen Marktanteil von rund 62 Prozent.

Neu ist zudem, dass acht Versicherer die Durchleitung der Provisionen im Fall der Vermittlung von Bruttotarifen durch Versicherungsberater unterstützen. Zwei Unternehmen bieten beide Varianten an. Damit haben also 23 Versicherer mindestens eines der Angebote im Sortiment. Bemerkenswert sei, dass diese Versicherer immerhin für knapp 46 Prozent Marktanteil stehen, so die Autoren. Darüber hinaus gaben sechs weitere Versicherer an, in der Lebensversicherung entweder kurz- oder mittelfristig Angebote für die Honorarberatung zu entwickeln. Und: "Anders als in den früheren Untersuchungen sind es nun auch große, marktanteilsstarke Versicherer, die sich dem Honorarmarkt geöffnet haben und nicht mehr überwiegend kleine Nischenanbieter", ist in der Studie zu lesen.

Weiterhin geringer Marktanteil
Der Anteil von Nettotarifen am Gesamtmarkt ist allerdings weiterhin mikroskopisch. Im Neugeschäft der Lebensversicherer belaufen sich die gemeldeten Umsatzanteile hochgerechnet auf den ganzen Markt nur auf 6,3 Promille. In der Krankenversicherung sind es 1,8 Promille, in der Kompositversicherung 0,8 Promille.

Die Untersuchung könne nicht die Frage nach den Marktchancen für ein breiteres Angebot an Nettotarifen beantworten, so die Autoren. "Sie liefert allerdings Indizien dafür, dass es nicht an den Versicherungsgesellschaften und damit an der Angebotsseite liegt, wenn nicht häufiger gegen Honorar vermittelt wird", schreiben sie. Das lege die Vermutung nahe, dass bislang auf Kundenseiten einfach zu wenig Nachfrage herrscht. (am)