Die Versicherungsberatung gegen Honorar tritt in Deutschland auf der Stelle. Gerade einmal 331 Versicherungsberater waren per 4. Januar 2026 im Vermittlerregister der Deutschen Industrie- und Handelskammer verzeichnet. Ihnen stehen insgesamt 178.460 gewerbliche Versicherungsvermittler gegenüber, davon 46.951 Versicherungsmakler. Somit gab es in den vergangenen fünf Jahren einen marginalen Zuwachs von fünf Versicherungsberatern, die gegen Honorar arbeiten, aber einen Zuwachs von fast 1.000 Versicherungsmaklern.  

Liegt das am zu knappen Angebot von Nettopolicen durch die Versicherer? Im Bereich der Lebensversicherung offenbar schon. "Das ist weiterhin ein Nischenbereich", schreiben die Versicherungsprofessoren Matthias Beenken, Fachhochschule Dortmund, und Heinrich Schradin, Universität Köln, in ihrer aktuellen Untersuchung des Instituts für Versicherungswissenschaft an der Universität Köln vom Februar 2026 unter dem Titel "Nettotarifangebot deutscher Versicherungsunternehmen" (externer Link).

Kaum Nettotarife, aber am meisten in der Lebensversicherung
Demnach haben diesmal lediglich zehn Lebensversicherer gemeldet, dass sie Nettotarife anbieten (2021: 13 Anbieter). Hochgerechnet auf das Neugeschäft der LV-Branche machen Nettotarife laut Stichprobe – rein indikativ – nur einen Bruchteil von 6,5 Promille aus (2021: 6,3 Promille). "Bis auf eine Ausnahme eines sehr kleinen Lebensversicherers erzielt kein Anbieter einen nennenswert hohen Anteil seines Neugeschäfts mit Nettotarifen", schreiben die Autoren.

Über alle Sparten hinweg ergab die seit 2011 alle fünf Jahre neu aufgelegte Untersuchung für 2026: Insgesamt bieten 13 Versicherer oder 52 Prozent der für die Analyse befragten Unternehmen Nettotarife in einer Sparte oder in mehreren an. In der Vorgänger-Untersuchung 2021 waren es 17 Unternehmen. Insgesamt konnten die Antworten von 25 Unternehmen ausgewertet werden, mitunter nur teilweise. Zusammen repräsentieren sie einen Marktanteil von rund 33 Prozent.

Weiterhin geringer Marktanteil
Der Anteil von Nettotarifen am Gesamtmarkt ist allerdings weiterhin mikroskopisch klein. Im Neugeschäft der Krankenversicherung belaufen sich die gemeldeten Umsatzanteile hochgerechnet auf den ganzen Markt auf 4,7 Promille (2021: 1,8 Promille), in der Kompositversicherung gar nur auf 0,6 Promille (2021: 0,8 Promille).

Die Versicherungsunternehmen nehmen in der Regel keinen Einfluss auf die Art und Weise, wie die Vermittler die Nettotarife verkaufen. Das hatte die Bafin im letzten Sommer kritisiert. "Einerseits ist die fehlende Einflussnahme nachvollziehbar, da die Vermittler autonom Verträge mit den Versicherungsnehmern verhandeln und durchsetzen", schreiben die Autoren. Andererseits müssten Versicherer Reputationsrisiken befürchten, wenn sie Honorarvermittlern freie Hand bei der Vereinbarung von Honoraren oder ähnlichen Vergütungen lassen.

Gesetzliche Klarstellungen erwünscht, Verbraucherwünsche respektieren
Immerhin befürwortet gut die Hälfte der befragten Versicherer eine Honorarordnung, um eine Übervorteilung von Kunden zu vermeiden. Eine Honorarordnung gibt es bislang nicht, ebenso wenig eine gesetzliche Klarstellung des Begriffs "Nettotarif", konstatieren die Autoren.

In einer Studie von 2025 war Beenken zusammen mit seinem BWL-Professorenkollegen Lukas Linnenbrink allerdings auf schwache Nachfrage bei Nettotarifen gestoßen. 71 Prozent halten es demnach für attraktiver, wenn alle Kosten einkalkuliert sind. Zudem finden 65 Prozent der Teilnehmer die Honorare unangemessen. "Offenkundig schätzen es die Kunden, erstens Lösungen – also Abschlüsse – zu bekommen, und zweitens wollen sie Komplettpreise", so Beenken. Das sei für sie transparenter als ein Nebeneinander von Nettotarifprämien und Honorar. (dpo)