Viele Bundesbürger blicken mit Sorge auf ihre finanzielle Zukunft – und das betrifft längst die Mitte der Gesellschaft. Besonders groß ist die Angst vor Inflation (66 %), steigenden Lebenshaltungskosten (59 %) und einem sinkenden Lebensstandard (49 %). Frauen äußern diese Ängste sogar noch häufiger als Männer. Das zeigt die aktuelle Studie "Angst und Finanzen – Risiken und Chancen für Versicherer in verunsicherten Zeiten" des Marktforschungs- und Beratungsinstituts "Heute und morgen".

Die Verunsicherung hat Folgen: 63 Prozent der Deutschen achten nach eigenen Angaben stärker auf ihre Ausgaben. Das betrifft alle Einkommensgruppen – von Haushalten unter 2.000 Euro bis über 4.000 Euro Nettoeinkommen. Sparen vermittelt vielen das Gefühl, in Krisenzeiten Kontrolle zurückzugewinnen.

Auch Versicherungen geraten ins Visier
Während zuerst bei Spenden, Mitgliedschaften und Freizeit verzichtet wird, ist auch das Sparen bei Versicherungen kein Tabu mehr: 19 Prozent sehen hier ein Top-Sparpotenzial, 16 Prozent planen konkrete Kürzungen – etwa durch Kündigungen, Anbieterwechsel oder höhere Selbstbeteiligungen. Besonders betroffen sind Kfz-, Reise- und Rechtsschutzversicherungen.

"Versicherungen werden verstärkt auf den Prüfstand oder sogar gänzlich in Frage gestellt", sagt Michaela Brocke, Geschäftsführerin bei "Heute und morgen". "Gleichzeitig wachsen die Erwartungen der Kunden an die Flexibilität, Transparenz und den unmittelbaren Nutzen der Versicherungsprodukte."

Chancen für Versicherer
Trotz der Belastung der Kundenbeziehungen eröffnet die Situation Chancen. Versicherer, die sich vom reinen Leistungsregulierer zum empathischen Begleiter entwickeln, können Vertrauen stärken. Gefragt sind individuelle Lösungen, modulare Produkte und transparente Kommunikation.

"Ängste und Verunsicherungen erweisen sich als zentraler Taktgeber des aktuellen Finanz- und Vorsorgeverhaltens der Bundesbürger", sagt Mareen Wolf, Studienleiterin bei "Heute und morgen". "Versicherer haben es in finanziell verunsicherten Zeiten zumindest teilweise in der eigenen Hand, als Stabilitätsanker und Orientierungsgeber zu wirken." (mb)