Der Druck zum effizienten Datenaustausch zwischen Versicherern und Maklern wächst, weil Makler nur über die Digitalisierung Zeit für Beratung gewinnen und bei wachsender Regulierung betriebswirtschaftlich bestehen können. Daher hat das Branchen-Informationsportal "Deutsche-Versicherungsboerse.de" (DVB) im Rahmen seines Makler-Audits 2021 "IT-Prozesse im Maklerunternehmen: Vertrieb, Administration, Technik" erneut die technische Anbindung der Versicherer bewertet. 

Ergebnis: Die Unterstützung der Versicherer hakt immer noch gewaltig. Es gibt zahlreiche Hemmschuhe auf dem Weg zum digitalen Maklerbüro. Je nach Umfrage bei den Versicherern, Maklern und Herstellern von Maklerverwaltungsprogrammen (MVP) fielen die Antworten naturgemäß unterschiedlich aus.

Die besten Versicherer für die technische Anbindung der Makler
Aus den Umfragen geht hervor: Die beste technische Unterstützung für Makler bietet erneut der Volkswohl Bund, der sich den ersten Platz in diesem Jahr mit der Gothaer teilt. Danach folgen in der "Silber"-Kategorie Barmenia, Alte Leipziger und Stuttgarter sowie in der "Bronze"-Kategorie Nürnberger (Vorjahr: Silber), WWK, Allianz, Itzehoer und Rhion. Alle anderen Versicherer hätten mehr oder weniger große Reserven. Der Untersuchung hatten sich 24 Gesellschaften gestellt (2020: 28). 

"Uns interessiert besonders das Endergebnis der digitalen Maklerprozesse, nämlich die Umsetzung digitaler Services der Versicherer in Automatisierungsprozesse", sagt DVB-Geschäftsführer Friedel Rohde. Die Kriterien seien – wie jedes Jahr - vom Studien-Beirat neu bestimmt worden, um den geänderten Anforderungen der Makler an die Unterstützungsleistungen und deren Umsetzungsgrad gerecht zu werden. Viele Arbeitsschritte im Maklerbüro könnten bereits automatisiert werden, doch ein Durchbruch in Richtung 100 Prozent sei noch in weiter Ferne.

Makler beherrschen ihr Programm oft nicht
Daran trügen die Makler zu einem Gutteil eine Mitschuld. "Sie sind noch deutlicher ins Hintertreffen geraten als im Vorjahr", sagt Beiratsmitglied Henning Plagemann, der als Berater für Vertriebsprozesse arbeitet. Vielen Maklern müsse die technische Kompetenz noch vermittelt werden. Außerdem müssten sie erkennen, dass Automatisierung eine unternehmerische Notwendigkeit sei.

89,5 Prozent der befragten Makler setzen auf ein Standardprodukt des gewählten MVP-Herstellers (2020: 87,5 Prozent). Mehr als jeder zweite Makler (51,2 Prozent) arbeitetet länger als fünf Jahre mit dem derzeit eingesetzten System (2020: 40 Prozent). Fast drei Viertel sind damit zufrieden. Dennoch denken 12,6 Prozent davon über einen Wechsel nach (2020: 16 Prozent). "Fehlende Funktionen, schlechter Support, die Geschäftspolitik des Herstellers und hohe Kosten sind derzeit die Unsicherheitsfaktoren", resümiert Rohde.

Da die Marktkonzentration von Jahr zu Jahr mehr Fahrt aufnehme, bleibt die Wechselproblematik aktuell. Einige MVP-Anbieter nähmen keine Aktualisierung ihrer Software mehr vor. Dies gefährde die Zukunftsfähigkeit der eingesetzten Systeme im Maklerbetrieb.

MVP-Markt schrumpft zum Oligopol
Derzeit läuft der MVP-Markt auf ein Oligopol zu, beobachtet Plagemann schon seit einiger Zeit. Alle großen Anbieter hätten Vergleichsfirmen zugekauft oder eigene Vergleichsrechner entwickelt. Aus den MVP-Systemen würden Prozessplattformen, die zur Abwicklung der Geschäfte zwischen Maklern und Versicherern genutzt werden.

Plagemann sieht im Moment vier Marktgrößen: Assfinet (Acturis-Gruppe), Blau Direkt, Fonds Finanz und die Hypoport-Gruppe mit der Versicherungsplattform Smart Insurance. Die Hypoport-Gruppe übernahm zahlreiche Firmen (Volz Software, IWM Software, den MVP-Hersteller NKK Programm Service, Maklersoftware.com, den Vergleicher Innosystems und den Pool ASC).

Auch Pool-Studie benennt Marktprobleme
Auch die Maklerpool-Studie "Pool-Radar" von Brunotte-Konzept sieht keinen Trend zu marktgängigen Bestandsführungssystemen. Elf von 29 Pools oder Verbünden böten Vermittlern ein Pool-eigenes System und widersetzten sich damit der Integration gut eingeführter, marktgängiger Systeme. Damit lasse ich inhouse zwar eine hohe Prozessqualität erzielen, doch damit stoßen Vermittler mit marktgängigem MVP an Grenzen der automatisieren Datenverarbeitung.

Besser sei da eine Generallizenz für ein marktgängiges System, die von sieben Pools angeboten wird: 1:1, Charta Börse für Versicherungen, Fonds Finanz, KAB, Proma, SDV und Status. Beispiel Charta: Der Maklerverbund überlässt seinen Partnern die MVP-Entscheidung. Man selbst organisiere Kooperationen, damit Schnittstellen zwischen den jeweiligen MVP und den Charta-Systemen zur Verfügung stehen.

So kooperiert Charta mit Smart Insurtech. Charta-Makler sollen aus einer Hand ein Komplettpaket aus cloud-basiertem MVP, KI-gestütztem Dokumentenservice, Qualitätsbewertung, Versicherungsvergleich und einer Beratungslösung inklusive elektronische Signatur nutzen können. (dpo)