Preisfrage: Was beschäftigte die Lebensversicherer – neben den Minizinsen – in den vergangenen zwölf Monaten am stärksten? Die richtige Antwort lautet: Die Diskussion um das Für und Wider von Bestandsübertragungen älterer Policen, im Fachjargon sogenannte externe Run-offs. Die öffentlichkeitswirksamen Debatten, an denen sich neben Versicherern auch Politiker und Verbraucherschützer in Massenmedien wie der "Bild-Zeitung" beteiligten, drehten sich unter anderem um die Befürchtungen, dass Versicherungskunden bei den aufnehmenden Run-off-Plattformen im Vergleich zu den Eigentümern schlechter gestellt sind (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Studie bestätigt Befürchtungen
Die aktuelle Studie "Zahlenband – Geschäftsergebnisse der Lebensversicherung 2017" des Kölner Kivi-Instituts scheint die Befürchtungen der Run-off-Kritiker zu bestätigen: Das Institut, das der Versicherungs-Ratingagentur Assekurata und dem Kölner Universitätsprofessor Heinrich Schradin gehört, hat in der Auswertung der 2017er Geschäftsergebnisse von Lebensversicherer festgestellt, dass Run-off-Gesellschaften signifikant größere Gewinnnanteile an ihre Aktionäre oder Muttergesellschaften ausschütten, als in der Branche üblich.


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Die Kölner Forscher haben erstmals die Geschäftszahlen von acht Run-off-Versicherern im Vergleich zum Rest des Marktes untersucht. Dabei zeigt sich, dass die deutschen Versicherer vom Bruttoüberschuss vor Steuern im Marktdurchschnitt 17,13 Prozent an ihre Aktionäre und 70,92 Prozent an die Versicherungsnehmer weitergeben. Bei den acht oben genannten Gesellschaften waren es im Schnitt 40,95 für die Anteilseigner respektive 46,69 Prozent für die Versicherungskunden. 

Auch die Stärkung des Eigenkapitals steht offenbar nicht oben auf ihrer Prioritätenliste: Nur 0,32 Prozent des Bruttoüberschusses verwenden die acht zur Stärkung des Eigenkapitals. Über alle Gesellschaften hinweg gerechnet beträgt die Zahl 6,27 Prozent. Bemerkenswert ist zudem, dass die Run-off-Gesellschaften durchschnittlich 11,3 Prozent der Bruttoüberschüsse vor Steuern an den Fiskus überweisen. Üblich sind marktweit nur 3,44 Prozent.

Fragezeichen bleiben
Eine Erklärung für diese hohen Ausschüttungen hat Professor Michael Thiemermann,  Geschäftsführer des Kivi-Instituts leider nicht: "Die nackten Zahlen sagen lediglich, dass die Run-off-Gesellschaften ihren Aktionären mehr auszahlen als der Rest des Marktes. Ob sich das langfristig ändern wird, wissen wir im Moment auch noch nicht", so Thiemermann gegenüber FONDS professionell ONLINE. "Es handelt sich nur um eine Ein-Jahres-Betrachtung."

Allerdings ist das Segment der Run-off-Gesellschaften nicht vollständig abgedeckt. So haben Thiemermann und sein Team noch nicht alle Versicherer berücksichtigt, die ihre Bestände intern in den Run-off geschickt haben – sie also abwickeln und kein Neugeschäft mehr zeichnen. Das solle in der nächsten Fassung der Studie erfolgen. Und dann wolle man auch den nächsten großen externen Run-off zwischen Generali und Viridium einbeziehen, der schon angekündigt ist und für den noch die Genehmigung der Bafin aussteht. (jb)