Studie: Weiter leicht steigende Überschüsse bei Lebensversicherern
Eine neue Studie gibt Einblick, wie Lebensversicherungen aus den Bereichen Klassik, Neue Klassik, Indexpolicen und auch Fondspolicen mit Garantie aktuell verzinst werden. Die Überschüsse steigen in der Breite des Markts weiter moderat. Gerade Indexpolicen legen zu.
Für 2026 schreiben die Lebensversicherer ihren Kunden das vierte Jahr in Folge steigende Zinsen gut – wie schon 2025, 2024 und 2023, aber eben völlig anders als etwa noch bis 2022. Im Neugeschäft für klassische private Rentenversicherungen beispielsweise schütten die Gesellschaften im Durchschnitt laufende Zinsen von 2,62 Prozent (Vorjahr: 2,53 Prozent) aus – siehe folgende Übersicht.

Quelle: Assekurata-Marktstudie 2026 "Überschussbeteiligungen und Garantien in der Lebensversicherung"
Dabei liegt die höchste Verzinsung bei 3,0 Prozent (Vorjahr: 3,25 Prozent), geboten von der Ideal Lebensversicherung und der Öffentlichen Leben Braunschweig. "Allerdings gehen längst nicht alle Anbieter den Aufwärtstrend bei der laufenden Verzinsung mit, sondern die meisten lassen die Deklaration gegenüber dem Vorjahr unverändert", sagte Reiner Will, Geschäftsführer der Assekurata Assekuranz Rating-Agentur, am Mittwoch (4.3.) bei der Vorstellung der 24. Marktstudie "Überschussbeteiligungen und Garantien 2026", an der 37 (2025: 39) Versicherer teilgenommen haben (Marktanteil nach Beitragseinnahmen: 64 Prozent).
Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste
Die Vorsicht ist vor allem auf weiterhin vorhandene stille Lasten in den Kapitalanlagen sowie vorsichtige Prognosen zur Zinsentwicklung zurückzuführen. "Die Versicherer profitieren in der Kapitalanlage zwar von höheren Erträgen, agieren bei der Überschusspolitik aber weiterhin mit Bedacht", kommentiert Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei Assekurata.
Inklusive Schlussüberschüssen und sonstigen Gewinnanteilen liegt die in Aussicht gestellte Gesamtverzinsung eines Mustervertrages der Klassik-Rentenpolice bei durchschnittlich 3,23 Prozent (Vorjahr: 3,19 Prozent). Die höchste Gesamtverzinsung bei klassischen Rentenpolicen bieten Inter (3,40 Prozent) und Provinzial (3,25 Prozent).
Klassik-Police wird zum Nischenprodukt
Der seit 2025 leicht erhöhte Höchstrechnungszins von 1,0 Prozent im Neugeschäft erleichtert die Kalkulation, sodass wiederum elf Gesellschaften weiterhin klassische Rentenpolicen anbieten, neun davon mit dem Höchstrechnungszins (2025: 7). "Die Klassik bleibt damit zwar ein wichtiger Bestandteil des Bestandes, entwickelt sich im Wettbewerb mit renditeorientierteren Lösungen jedoch zu einem Nischenprodukt", so Heermann. Zumindest leicht höhere Renditen verspreche die Neue Klassik.
Beziehe man alle Produktarten und Tarifgenerationen aus der Studie mit ein, so ist die laufende Verzinsung für 2026 im Marktdurchschnitt moderat auf 2,87 Prozent (2025: 2,82 Prozent) gestiegen. Weite Teile des Marktes setzen inzwischen auf Produkte der sogenannten Neuen Klassik, die wie klassische Produkte auf einer konventionellen Überschuss-Systematik sowie dem Ausgleich im Kollektiv und der Zeit basieren. Zumeist beinhalten die Tarife eine reduzierte Beitragsgarantie – um die 90 Prozent.
Ergebnisse bei Neuer Klassik und Indexpolicen
Bei den 20 Unternehmen, die mit der Neuen Klassik an der Studie teilgenommen haben, liegt die laufende Verzinsung der Neugeschäftstarife bei durchschnittlich 2,65 Prozent (Vorjahr: 2,58 Prozent) und die Gesamtverzinsung bei 3,32 Prozent (Vorjahr: 3,26 Prozent). Die Überschussbeteiligung unterscheidet sich damit nur wenig von der Klassik, obwohl die Garantien im Vergleich niedriger ausfallen und meist endfällig gestaltet sind.
Indexpolicen, die noch 2023 wegen des schwierigen Indexjahres kaum positive Renditen geschafft hatten, bescherten Kunden 2025 wegen verbesserter Garantien und positiven Börsenverlaufs im Durchschnitt 4,49 Prozent Rendite (2024: 3,78 Prozent). "Wiederum ein kleiner Lichtblick", kommentiert Heermann. Der deklarierte laufende Überschusszins, der für die nächsten Indexbeteiligungen relevant ist, liege bei durchschnittlich 3,07 Prozent (Vorjahr: 3,04 Prozent), sodass sich die Perspektiven für Indexpolicen noch etwas verbessern.
Von zehn Umfrage-Teilnehmern verzichteten wiederum acht auf vollständigen Beitragserhalt bei Indexpolicen. Der deklarierte laufende Überschusszins für die sichere Verzinsung, die Kunden alternativ zur Indexanlage wählen können, liegt im Schnitt bei 2,75 Prozent (Vorjahr: 2,74 Prozent) und fällt damit geringer aus als der laufende Überschusszins für die Indexbeteiligung. Wählt der Kunde die Indexbeteiligung, kann die Rendite also deutlich höher ausfallen, ist aber im Vorhinein ungewiss und nicht nach einheitlichen Maßstäben prognostizierbar.
Vergleich der Effektivkosten und Ausblick
Die Effektivkosten fallen bei Indexpolicen mit 1,36 Prozentpunkten Renditeminderung (Vorjahr: 1,38 Prozentpunkte) höher aus als im unveränderten Branchenschnitt der alten Klassik (0,91 Prozentpunkte) und der Neuen Klassik (1,04 Prozentpunkte). Bei Fondspolicen mit Garantien liegen die Effektivkosten im Schnitt bei 1,16 Prozentpunkten, wobei Assekurata unter den 16 Teilnehmern eine Spannweite zwischen 0,57 und 1,51 Prozentpunkten festgestellt hat. Mehr zur Fondspolicen-Analyse folgt in den kommenden Tagen bei FONDS professionell ONLINE.
Insgesamt zieht Assekurata ein gemischtes Fazit. Einerseits zeichne die Branche ein Bild der Stabilisierung bei gleichzeitig tiefgreifendem Strukturwandel. Höhere Neuanlagezinsen und Rückflüsse aus der Zinszusatzreserve sorgen für mehr Handlungsspielraum. Andererseits setzten regulatorische Anforderungen, veränderte Kundenpräferenzen und zunehmender Wettbewerb mit renditeorientierten Anlageformen traditionelle Leben-Produkte unter Druck. "Das Zins- und Inflationsumfeld hat sich für Lebensversicherer zwar entspannt, aber die Branche ist noch längst nicht in einer neuen Komfortzone angekommen", so Wills Fazit. (dpo)
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