Viele Deutsche haben eine Rentenversicherung. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zählte Ende 2017 knapp 40 Millionen Verträge. Nach der Ansparphase entscheidet sich ein großer Teil der Versicherungsnehmer aber nicht für eine lebenslange Verrentung des Kapitals, sondern für eine Auszahlung. Der Grund: Sehr viele Policen-Inhaber betrachten die Rentenversicherung als Investment und nicht als Absicherung des Lebensstandards. Das ist eines der Ergebnisse der Studie "Bedarfsgerecht, aber unbeliebt – Nutzen und Akzeptanz der lebenslangen Rente", die das Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften (IFA) in Ulm erstellt hat.

Die Studienautoren Jochen Ruß und Stefan Schelling haben ferner untersucht, wie Menschen dazu gebracht werden können, ihr Geld zu verrenten. Denn angesichts des demografischen Wandels und der immer weiter gestiegenen Lebenserwartung der Deutschen müssten sie sich gut überlegen, wie sie die Zeit nach Ende des Berufslebens finanziell stemmen können. "Hier besteht Einigkeit, dass insbesondere Menschen mit mittlerem Wohlstand weniger verrenten als optimal wäre, und Menschen mit geringer Verrentungsquote im Alter zudem meist unglücklicher sind", so Ruß und Schelling.

Produkte attraktiv gestalten
Nach Meinung der beiden Experten könnten Versicherer das Verhalten der Kunden auf verschiedene Weise ändern. Als erstes nennen sie eine geeignete Produktgestaltung. Es gebe durchaus bereits Versicherungen, die den Lebensstandard sichern könnten und gleichzeitig durch zusätzliche Produkteigenschaften für einen größeren Kreis attraktiv seien. Zwar machten manche dieser Eigenschaften die Produkte rein rational betrachtet nicht besser, schreiben die Autoren. Für Menschen, die ohne diese zusätzlichen Produkteigenschaften eine Rentenversicherung ablehnen, könnten sie unter Umständen aber ein guter Kompromiss sein.

Zweitens sollten Menschen dabei unterstützt werden, typische Fehleinschätzungen im Hinblick auf die Verrentungsfrage zu überwinden. Hier scheine eine aktive Aufklärung über realistische Lebenserwartungen und über die Chance, länger zu leben als erwartet, dringend geboten. Drittens könnten laut Ruß und Schelling bestimmte Anreize dazu beitragen, dass mehr Versicherungsnehmer die Rentenoption wählen. Dies könnten etwa Steuervorteile im Falle der Verrentung sein. (jb)