Schlussüberschusstöpfe sind für Inhaber von Fondspolicen eine unangenehme Angelegenheit. Denn anders als die laufenden Überschussbeteiligungen, die dem Versicherungsnehmer einmal pro Jahr verbindlich gutgeschrieben werden, sind Schlussüberschüsse widerrufliche Überschüsse. Erst im letzten Jahr der Ansparphase entscheidet der Versicherer, ob er sie dem Kunden endgültig gutschreibt oder nicht. Bis dahin kann er sie jederzeit kürzen oder sogar ganz streichen. 

Daher würde wohl so mancher Kunde lieber auf eine fondsgebundene Police setzen, in der keine Schlussüberschüsse vorgesehen sind, viele Vermittler würden sicher gern solche Produkte anbieten. Die Schwierigkeit dabei ist aber, dass sich in den Vertragsbedingungen der Versicherer oft nur schwer erkennen lässt, ob in einem Tarif Schlussüberschüsse gebildet werden oder nicht. Auch in den meisten Vergleichrechnern werden diese Überschüsse bislang nicht ausgewiesen.

Studie für sorgt für mehr Durchblick
Um für mehr Transparenz zu sorgen, hat die Ratingagentur Morgen & Morgen gemeinsam mit der Condor Lebensversicherung im vergangenen Herbst eine Studie zum Thema Schlussüberschüsse bei Fondspolicen erstellt. In der Analyse untersuchten die Experten, welche Versicherer auch bei Fondspolicen ohne Garantien solche Überschüsse bilden und in welchen Tarifen das der Fall ist. Das Ergebnis: In einem Musterfall mit dem Fonds Templeton Growth in der Police und einer monatlichen Zahlung von 100 Euro über 37 Jahre fanden sich in der ersten Schicht, also in der Basisrente, unter den 17 betrachteten Tarifen von 13 Versicherern vier mit Schlussüberschüssen. In der dritten Schicht, der privaten Altersvorsorge, waren bei 27 Tarifen von 19 Anbietern sieben mit Schlussüberschüssen dabei. 

Anfang 2020 hat Morgen & Morgen die Untersuchung aktualisiert. Die Neuauflage zeigt zwar, dass sich bei den Versicherern selbst in Sachen Schlussüberschüsse noch nicht viel getan hat. Aber: Bei den Unternehmen, die Vergleichsrechner betreiben, kommt tatsächlich etwas in Bewegung. 

Diese Anbieter wollen umstellen
So möchte Morgen & Morgen selbst auf jeden Fall umstellen, denn die Experten finden die Ergebnisse ihrer beiden Untersuchungen sehr aufschlussreich. Bisher hat die Ratingagentur noch keine Angabe zu Schlussüberschüssen in ihrem Vergleichstool M&M Office. "Wir planen aber, diese zukünftig in unser Vergleichstool aufzunehmen, um es transparent zu machen", sagt Pascal Schiffels, Mitglied der Geschäftsleitung von Morgen & Morgen.

Auch das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) beschäftigt sich seit Kurzem intensiv mit Schlussüberschüssen in Fondspolicen. "Unser Vergleichsprogramm 'Fairgleichen' vergleicht aktuell ausschließlich anhand von qualitativen Tarifmerkmalen, also der Ausgestaltung von Tarifen, und nicht anhand von Ablauf- oder Rentenleistungen aus Tarifanbindungen", erklärt IVFP-Geschäftsführer Michael Hauer. "Der Vergleich von Ablaufleistungen auf Basis der Tarifberechnungen der Anbieter ist in der Regel schlichtweg falsch", sagt er. Dabei spiele es dann kaum noch eine Rolle, ob Schlussüberschüsse gesondert ausgewiesen würden oder nicht. 

Wesentliche Fehlerquelle
"Dies ist eine Fehlerquelle von vielen, aber natürlich keine unwesentliche", erklärt Hauer. Das IVFP arbeitet daher jetzt daran, quantitative Kennzahlen auf Basis stochastischer Simulationen auszuweisen, um eine echte ­Vergleichbarkeit zu erreichen. "Es ergibt aus unserer Sicht Sinn, Vermittlern in einem Ver­gleichsprogramm Schlussüberschüsse aufzuzeigen", findet der Experte. "Sobald wir ­unser Vergleichsprogramm um quantitative Vergleiche erweitert haben, werden wir daher die Schlussüberschüsse sachgerecht und im richtigen Kontext darstellen", sagt er.

Der Rechner "Fondspolicen-Vergleichstool" des Anbieters Fiba Consulting aus Karlsruhe hat sich des Themas Schlussüberschüsse sogar schon von längerer Zeit angenommen. "In der Regel werden nicht garantierte Überschüsse dazu benutzt, die Ablaufleistung zu erhöhen und die Effektivkostenquote zu senken", sagt Fiba-Experte Markus Klenk. "Wir haben von Beginn an argumentiert, dass nicht garantierte Überschüsse ein zusätzliches Risiko sind, das die Effektivkostenquote verfälscht und für das es keine Mehrrendite gibt", berichtet er. Daher weist das Tool ausschließlich Ablaufleistungen ohne Schlussüberschüsse aus und bringt diese auch nicht bei Effektivkostenquoten in Abzug. 

Nur Nebenkriegsschauplatz
Bei Softfair aus Hamburg und dem Unternehmen Ascore Analyse, das seit 2018 zu Softfair gehört, ist nicht geplant, den Ausweis von Schlussüberschüssen in die Vergleichstools aufzunehmen. "Bei den Schlussüberschüssen handelt sich nur um einen Teil der Hochrechnungsthematik in der Lebens- und Rentenversicherung", sagt Ellen Ludwig, Geschäftsführerin von Ascore Analyse. Aus ihrer Sicht sei es nicht zielführend, lediglich einen Punkt isoliert zu betrachten. "Wir würden gern Hochrechnungen, die etwas aussagen, in unsere Programme übernehmen. Da reicht es nicht, sich mit einem kleinen Nebenkriegsschauplatz wie den Schlussüberschüssen zu begnügen", erklärt Ludwig. (am)


Einen vollständigen Bericht über Schlussüberschüsse bei Fondspolicen und die Pläne der Anbieter von Vergleichsrechnern finden Sie in der aktuellen Heftausgabe 1/2020 von FONDS professionell sowie im E-Magazin ab Seite 268 (Anmeldung erforderlich).